“ Weltumsegelung“

Eigentlich war unser Motto >wir segeln in der Welt<. Nun ist es doch nach 17 Jahren eine Umsegelung geworden. Natuerlich nicht auf dem direkten Weg, kann ja jeder. Nach vielen Haken und Umwegen haben wir doch tatsaechlich ueber 63.000 sm auf der Uhr. Das sind ca 120.000 km. Unser Meerbaer hat es relativ gut ueberstanden, wenn auch auf den letzen Meilen noch der Blitz zuschlug und nicht unerheblichen Schaden verursacht hat. Ansonsten ist unser Motto > keep it simple< und wir sind bisher gut damit gefahren. Auch das Konzept Stahlboot mit langem Kiel, einem ausgepraegten V-Spant vorne machen die Belastung fuer Mensch und Material ertraeglich. In allen von uns besuchten Laendern haben wir Freundschaften mit sehr netten Leuten geschlossen. Nie wurden wir bedroht oder gar beraubt. Im Gegenteil, so viel Hilfsbereitschaft und Empathie wie in den besuchten Laendern werden wir wohl in Zukunft schmerzlich vermissen. Wie geht es weiter? Meerbaer braucht unbedingt ein grosses Refit. Innen und aussen liegen etlich Arbeiten an. Nach den ganzen Jahren und den vielen Seemeilen ist so einiges zu tun. Dann fordert das weise Alter der Besatzung seinen Tribut und Langstrecken segeln sind wohl erstmal nicht weiter in der Planung. Nord- und Ostsee haben bekanntlich auch ihren Reiz. Auf jeden Fall bleiben wir auf dem Schiff wohnen. Dafuer ist der Meerbaer von Anfang an konzipiert und ausgestattet.

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Mindelo

Jetzt sind wir „richtig“ angekommen. Heute früh um 6 Uhr ging der Anker aus dem Sandgrund und los ging es bei fast Windstille unter Motor. In der Engstelle zwischen den Inseln kam uns dann ordentlich Strom entgegen. Um dem auszuweichen, hielten wir uns für unsere Verhältnisse nah an der Küste. Hier war zwar kein Gegenstrom, dafür gab es ordentliche Fallböen. Für die 10 sm haben wir dann doch noch 2,5 Stunden gebraucht, bis wir in der Marina waren. Wir hatten uns über Funk angemeldet und wurden gleich am Steg in Empfang genommen. Hier liegt Meerbaer zum ersten Mal an Bugleinen und Heckmooring.

Das Einklarieren war super easy. Die Immigration ist direkt an der Marina und zur Policia Maritima ist es ein Spaziergang von 10-15 Minuten, je nach Marschgeschwindigkeit.

Nach dem offiziellen Behördenteil gab es erstmal ein Kaltgetränk in der Floating Bar. Danach ein kurzer Shopping-Gang, um fürs Abendessen und Frühstück eingedeckt zu sein. Wir werden schlemmen nach den letzten Wochen: Salat, EIER (!), Käse,  Bananen und Papaya. Morgen nach dem Frühstück auf den lokalen Markt und in den einen oder anderen Supermarkt. Wir sind ziemlich leer gefuttert.

Die Marina ist die teuerste seit unserem Start vor 17 Jahren. Leider müssen wir erstmal hier bleiben. Sobald die Reparaturen erledigt sind, hängen wir uns wieder an den Anker. Das ist uns hier definitiv zu teuer.

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So gut wie angekommen

Auf den letzten 60 sm wurden wir nochmal gefordert. Der Wind legte zu auf 25-30 kn. 2. Reff und etwas eingerollte Genua waren angesagt. Meerbaer brauste los mit 5-6 kn hoch am Wind Richtung NW, mal wieder weg von unserer Ideallinie nach Saō Vicente. Der Spaß dauerte etwa 4 Stunden, dann war der Wind wieder so gut wie weg, hat aber dafür noch reichlich Seegang hinterlassen. Ausserdem drehte er mehr nördlich und wir konnten wenden und wieder nach Osten segeln. Und weiter gings im Zickzack nach Norden, bis der liebe Wind mal wieder keine Lust mehr hatte. So langsam hatten wir die Faxen dicke. Den Rest dann eben per Motor, dafür aber auf direktem Kurs. Das lief am Anfang auch recht gut. Die See hatte sich beruhigt und Mr. Perkins hatte keine Probleme damit. Einziger Wermutstropfen: ohne funktionierenden Autopiloten mussten wir von Hand steuern. Jede Stunde Wechsel am Ruder. Die letzten paar Meilen wurden dann doch noch zum Abgewöhnen. Der Wind legte mal wieder zu und kam genau von vorne. Die Strömung, die auf beiden Seiten der Insel längs geht, schubste uns von einer Seite zur anderen. Dazu wieder ein chaotischer Seegang. Hierbei steuern war ne echte Freude. Vor uns lag noch die Düse zwischen San Antaō und Saō Vicente. Bei diesen Bedingungen ein Alptraum. Also steuerten wir stattdessen die Bucht von San Pedro im Süden der Insel an, um auf bessere Bedingungen zu warten. Das war gestern (Freitag). Tja, und hier sind wir immer noch. Es sieht so aus, als könnte es Montag klappen. Das ersehnte kalte Bier lässt also leider weiter auf sich warten.

Nur noch 10 sm bis Mindelo

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So langsam kommen wir näher

Das wird aber auch echt so langsam Zeit. Über Wochen segeln an der Kreuz geht an die Substanz. Die ständige extreme Schräglage, mal auf der einen und mal auf der anderen Seite, manchmal, wenn der Wind mal wieder launisch ist, im Stundentakt. Die Aries steuert die Winddreher eigentlich ganz gut aus, aber bis Meerbaer die Steuersignale umsetzt, ist es oft zu spät. Die Segel stehen back und wir müssen auf den anderen Bug. Meerbaer ist halt ein Langkieler, der ist etwas behäbig. Dafür hat er viele andere Vorteile, die wir nicht missen möchten. Wann segelt man schonmal tagelang so hoch am Wind? (Wir hoffentlich bald nicht mehr). Auch das Kochen ist eh schon anstrengend. Aber wegen der abgebrochenen kardanischen Aufhängung müssen beim Kochen zusätzlich Töpfe und/oder Pfannen möglichst in der Waage gehalten werden, damit das Essen nicht auf einer Seite anbrennt oder aus der Pfanne hüpft. Man kann auch sagen: „Kochen am Limit“  😉

Da aber bekanntlich gutes Essen für die gute Stimmung an Bord wichtig ist, kommt jeden Tag was „Anständiges“ auf den Teller bzw. in die Schüssel.

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Wir kämpfen uns weiter nach Norden

Es sind noch ca. 250 sm bis Mindelo auf direktem Weg, für uns sicherlich noch 400. Wir quälen uns immer noch durch schlappen Wind und auf einem Bug entgegenlaufenden Strom, der uns südlich vom Kurs weg drückt. Auf BB-Bug kommen wir mit Glück auf 4 kn, auf Stb-Bug gerade mal auf 2-2,5 kn. Manchmal sogar unter 1 kn. Damit will die Aries auch nicht mehr arbeiten, macht wirre Ausschläge in beide Richtungen und  Meerbaer torkelt um 30° zu jeder Seite. Dann ist Handsteuerung angesagt. Wir hätten niemals gedacht, dass diese Etappe so unkommod wird. Man lernt nie aus. Bei dem Tempo und den erstaunlich hohen Wellen bei dem wenigen Wind kommen wir bei der Wende nicht durch den Wind. Es geht nut mittels Q-Wende, bei der wir jedesmal wieder einige hart erkämpfte Meter an Höhe verlieren. Das tut richtig weh.

So langsam werden unsere Vorräte auch dezimiert. Eier gibt es ja schon seit St. Helena nicht mehr, Kartoffeln sind mangels Qualität mehr über Bord als in den Magen gewandert, der Knoblauch besteht fast nur noch aus Keimen und die letzten zwei Zwiebeln  sind auch nicht mehr die Besten. Ein paar Schalotten sehen noch ganz gut aus. Knabberzeug ist schon lange aufgefuttert und getränkemäßig haben wir Wasser, Kaffee und Tee im Angebot. Konserven und eingekochtes Fleisch und Gemüse sind noch reichlich vorhanden, genau wie Reis und Nudeln. Mehl reicht auch noch für ein paar Brote. Verhungern werden wir also nicht.

Seit vorgestern können wir den Wassermacher nicht mehr laufen lassen. Die Seekiste, unser zentraler Wasserzulauf, scheint zugewachsen zu sein. Es kommt nicht mehr genug Wasser, um den nötigen Druck in der Pumpe aufzubauen. Auch der Motor bekommt nicht ausreichend Kühlwasser, also bleibt er erstmal aus. Sobald es ruhiger wird, müssen wir beidrehen und ich muss wohl oder übel ins Wasser und den Zulauf wieder frei kratzen. Ist ne Sache von 5 Minuten, Lust hab ich trotzdem keine 🙁  Aber wat mutt, dat mutt!

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Invasion der Entenmuscheln

Ein zufälliger Blick am Bug auf die Wasserlinie und wir waren entsetzt. Wir haben uns schon gewundert, warum Meerbaer einfach nicht schneller segelt. Nun wissen wir warum. Wir sind übersät mit kleinen Entenmuscheln und die bremsen uns total aus. Eigentlich sollte das Antifouling beim letzten Schrubben auf St. Helena ja wieder aktiviert sein. Aber wir sind ja schon seit Wochen mangels brauchbarem Wind nur mit Schleichfahrt unterwegs. Ideale Bedingungen für die kleinen Biester, sich am Rumpf fest zu saugen und fröhlich zu wachsen. Je größer sie werden, umso mehr bremsen sie uns.

Kann man die ernten und essen?

Wenn man jedoch bedenkt, dass wir seit dem letzten Antifouling-Anstrich in Malaysia bereits fast 12.500 sm hinter uns gebracht haben, brauchen wir uns nicht wirklich zu wundern, dass die Wirkung so langsam nachlässt.

Ansonsten nicht Neues von Bord. Der Wind ist weiterhin schwach und kommt für uns ziemlich ungünstig aus Nordost. Zusätzlich setzt der Strom in die gleiche Richtung und bei dem geringen Tempo ist die Abdrift bald größer als das Vorankommen. Motorfahrt ist nicht wirklich eine Option. Bei 400 sm auf direktem Weg wären das ca. 100 Motorstunden bzw. 250 l Diesel. Ausserdem dürften wir dann die ganze Zeit von Hand steuern, weil der Autopilot ja vom Blitz zerdeppert wurde. Wir brauchen halt weiterhin Geduld. Immerhin laufen wir bei 8-10 kn Wind doch noch 2,5 bis 3 kn hoch am Wind. Wir sollten zufrieden sein.

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Neues vom lädierten Meerbaer

Es ist tatsächlich schon eine Woche her seit unserem Blitzschlag und wir haben nicht wirklich viele Meilen nach Norden gut machen können. Der Winkel ist für den dicken Meerbaer so ungünstig wie es nur geht. Hoch am schlappen Wind kneifen geht gar nicht. Da ist die Abdrift fast größer als die Geschwindigkeit. Bei dieser Konstellation sind wir noch ewig unterwegs.

Dann hatte der Käpt’n die zündende Idee: wir rufen MRCC Bremen Rescue an und bitten um Hilfe. Und das klappte wie am Schnürchen. Bremen setzte sich mit MRCC Dakar in Verbindung und die verwiesen uns an den in der Nähe fahrenden Tanker „OM Singapore“. Der Kontakt über VHF kam zustande und der Tanker änderte seinen Kurs auf uns zu. Weil es sich um einen Gefahrguttransporter handelt, sollten wir nicht näher als eine halbe Seemeile nah kommen. Der Tanker drehte bei und wir ebenfalls. Es wurde ein Boot ins Wasser gelassen und dann merkwürdigerweise wieder an Deck hochgezogen??? Was war das denn? Durchs Fernglas konnten wir geschäftiges Treiben am Boot erkennen. Ob der Motor nicht wollte? Es dauerte ca. 1/2 Stunden,  dann wurde das Bötchen wieder ins Wasser gehievt. Drei Mann kletterten rein und kamen dann langsam durch die relativ hohe Düngung auf uns zu und dann in Lee längsseits. Der kleinste der drei Männer schulterte sich nacheinander drei (!) Batterien und bekam sie mit Ach und Krach bei uns an Deck. Beim dritten Mal wäre er fast ins Wasser gefallen. Der Kollege konnte ihn gerade noch am Kragen packen und ins Boot zerren. Was für eine Aktion! Mit 1000 Dankeschön wurden sie dann von uns verabschiedet und sie tuckerten wieder zurück zu ihrem Dampfer. Über Funk haben wir uns nochmal herzlich bedankt und nach einem Preis für die Batterien gefragt. „No worries“ war die Antwort. Die Batterien seien ja nicht neu, die gibt es umsonst. Es könnte ja sein, das eine von den dreien nicht gut sei, deshalb hätten sie vorsichtshalber drei geschickt. Nachdem wir die Frage mit nein beantwortet hatten, ob wir sonst noch etwas brauchen, setzte der Tanker seinen Weg nach Buenos Aires fort.

OM Singapore

Die „Retter“ fahren zurück zum Tanker

Rainer hat umgehend die Batterie mit der besten Ladung eingebaut und angeschlossen. Startversuch: LÄUFT!!!!! Wir sind total happy.  Wir hatten uns schon Sorgen gemacht, wie wir das letzte Stück nach Mindelo schaffen sollten. Zwischen San Antaó und Sao Vicente wird der Wind zusätzlich kanalisiert und verstärkt. Das wäre ein schwieriges Unterfangen geworden, da aufzukreuzen. Jetzt können wir die Strecke mit Motorunterstützung bewältigen – wenn wir irgendwann mal da ankommen. Auf jeden Fall ist die Stimmung an Bord um etliche Grade gestiegen!

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