Nächtlicher Aktionismus

Gestern Abend, kurz nach dem Abendessen – wir saßen gerade bei unserer allabendlichen Kniffelrunde – zeigte unser Echolot NULL. Und das 2 Stunden vor Niedrigwasser. Da ging noch so einiges an Wasser weg. Die Würfel rollten so langsam Richtung Steuerbord vom Tisch. Unser Versuch, uns noch mal so eben aus dem Flachbereich rauszumanövrieren, schlug natürlich fehl. Meerbaer hockte mit dem A… schon im Schlick. Vollgas vorwärts und Kette einholen brachte nichts mehr. Verpennt!! Niedrigwasser war um 20.30 Uhr und bis wieder genug Wasser zum Aufschwimmen da war, dauerte es natürlich. Erst einmal gingen wir schräg und schräger. OK, wenn wir segeln, liegen wir auch auf der Backe. Machte also nix. Um 22.30 Uhr dann endlich: das Echolot zeigte 0,40 m an. Also Motor an, Deckswaschpumpe auf Vollgas und Anker hoch. Wir hatten noch ca. 20 m Kette unten, da tauchte dann ein wunderschönes altes Fischernetz auf, das sich mehrfach um unsere Kette gewickelt hatte. Mittendrin noch zwei Anker verwurschtelt. Fast eine ganze Stunde haben wir gebraucht, bis wir das ganze Zeugs an Deck gehievt und mit Hilfe von Machete und der guten, alten Schneiderschere von der Ankerkette losgeschnitten hatten. Aber jetzt: wohin mit dem Sch…? Über Bord werfen war keine so gute Idee. Wir wollten uns die Reste nicht noch in den  Propeller fahren. Und was ist, wenn der Nächste hier ankert und nicht so viel Glück hat wie wir? Unser Meerbaer ist ein Langkieler, da ist die Gefahr nicht ganz so groß, aber Boote mit ungeschütztem Propeller sind da ziemlich stark gefährdet. Also an Deck mit dem Dreck und erst einmal einen besseren Ankerplatz suchen. Um Mitternacht waren wir dann endlich wieder klar für die Koje.

Heute Vormittag nach dem Frühstück haben wir uns die Bescherung dann erst einmal bei Tageslicht angeschaut.

Wohin jetzt damit? Letztendlich haben wir das Zeug in zwei Müllsäcke gestopft und werden es bei nächster Gelegenheit im Müll entsorgen. Dank unserer Deckswaschpumpe konnten wir Meerbaer auch noch von dem ganzen Dreck befreien. Jetzt sind wir wieder propper 😉

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Great Barrier Island

 

Great Barrier Island voraus

Wir sind tatsächlich da! Dran geglaubt hatten wir schon nicht mehr. Die Windrichtung stimmte zwar in den letzten Tagen so einigermaßen, aber die Stärke nicht. Einfach zuviel. Wir wollten nicht bei 30 kn und mehr hier rüber düsen, denn gerade in diesem Seegebiet ist der Schwell berüchtigt. Das wollten wir uns wirklich nicht antun. Gestern dann endlich: der lokale Seewetterbericht und das europäische Wettermodell zeigten 15-20 kn aus NW, später NE. Ideal. Lediglich das GFS-Modell versprach wenig Wind. 2:1, die Sache ist enschieden. Um 6 Uhr rappelte der Wecker, wir hatten schließlich 45 sm vor der Nase. Um 7 Uhr ging der Anker hoch und wir tuckerten Richtung draußen in der Hoffnung, schon bald den Motor abzustellen und die Segel hoch ziehen zu können. Weit gefehlt! Diesmal hatte das GFS-Wettermodell die Nase vorn bzw. wir keinen Wind. Dafür aber schöne Dünung von der Seite. Die Gesichter wurden immer länger und die Stimmung ging auf den Tiefpunkt. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Umdrehen wollten wir aber irgendwie auch  nicht. Also Augen zu und durch. 8,5 Std. Motorgerappel und Geschaukel. Selbst das zum Stabilisieren gesetzte Besansegel brachte wenig Ruhe in den Dampfer. Aber jetzt sind wir da. Der Anker fiel direkt in der ersten Bucht auf 10 m Wassertiefe auf Sand. Jetzt erst einmal entspannen zumal in der letzten Nacht noch ein Anker-auf-Manöver anstand. Nach zwei Winddrehern um 180 Grad bei Böen von ca. 30 kn wollte unser Anker nicht mehr so richtig halten. Um 2 Uhr dengelte eine Mooringboje an den Rumpf. Da waren wir doch tatsächlich gerutscht. Also raus aus  der Koje, in die Klamotten springen, Motor an und Anker hoch. So richtig Spaß gab es dann noch, weil einige Ankerlieger ums Verrecken keine Ankerbeleuchtung anmachen. Bei bewölktem Himmel und Regen sieht man die erst im letzten Augenblick. Zum Glück hatte der Käptn sich so in etwa gemerkt, wer wo lag und so konnten wir uns unbeschadet aus dem Ankerfeld rausmanövrieren und ca. 500 m weiter nördlich neu ankern. Der schäbige Rest der Nacht war dann ruhig, zumal der Wind dann auch schlafen ging.

nur wenige Boote ankern hier

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Abschied von Claus

Am letzten Samstag hat sich unser guter Segelfreund Claus auf seine letzte Reise begeben. Es war zwar sein Wunsch, auf diese Weise abzutreten, nämlich auf seiner Segelyacht „Julia“, aber sicherlich noch nicht so bald. Wir wünschen ihm auf seinem letzten Törn alles Gute. Wir werden ihn vermissen.

So behalten wir ihn in Erinnerung. Immer fröhlich, immer hilfsbereit. Ein richtiger Freund.

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Der Kutscher kennt den Weg…

… oder : only steel is real!!!

Da wollten wir heute früh ganz entspannt zum Wasser tanken und dann gemütlich auf den Ankerplatz. So weit, so gut. Nachdem der Wassertank wieder randvoll war, Leinen los und zwischen den Liegeplätzen und dem Breakwater Richtung draußen. Wir sind gerade kurz vor der Ausfahrt, wo man mit dem Dinghi anlanden kann, da kommt einer der Austernfischer mit voll Speed angerauscht. Er sieht nicht links und und rechts, weil der die Tour ja mehrmals am Tag macht und sein Boot den Weg ja von alleine kennt, und brettert voll auf uns zu. Rückwärtsgang rein und rufen hilft nicht viel. Nachdem der Austernfahrer endlich mal aufgesehen hat und gemerkt hat, dass er wohl doch keine Vorfahrt hat, haut auch er den Rückwärtsgang rein. Da die Schute aber nur einen Aussenborder hat, blieb der Erfolg eher aus. Dazu kam noch das auflaufende Wasser und der Wind für ihn von achtern. Er driftete zum Glück mit etwas weniger Fahrt voll mit seiner Spitze in unsere Seite.

Etwas Spachtel und Farbe, und gut ist wieder

Hätten wir einen Plastikdampfer, dann säh das aber ganz anders aus! So haben wir „nur“ eine dicke Macke im Stahl, die mit Spachtel und Farbe ausgebügelt werden kann. Das reicht jetzt an Aufregung für die nächsten Tage. Gleich geht es in Paihia auf den Farmers Markt (wir hoffen, der findet statt und fällt nicht aus wegen Covid19).

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4 1/2 Monate an Land sind definitiv genug

Als wir Mitte März beim Norsand Boatyard an Land gegangen sind, haben wir uns nicht träumen lassen, dass aus den geplanten 6-8 Wochen viereinhalb Monate werden sollten. Covid 19 hat uns einen gewaltigen Strich durch unsere Planung gemacht. Aber egal. Wir sind seit Mittwoch Nachmittag endlich wieder im Wasser und freuen uns wie Bolle.  Die letzten 3 Tage waren dann doch noch etwas stressig, weil einem ja meistens im letzten Moment noch einfällt, was man „mal eben“ noch machen könnte.

Meerbaer auf dem Weg ins Wasser

Um 13 Uhr am Mittwoch ging es dann endlich los. Meerbaer wurde mitsamt Gestell ins Wasser geschubst und erst noch ein wenig schräg festgesetzt. Hochwasser war erst um 15 Uhr und wir hatten noch nicht genug Wasser unter dem Kiel. Die Yard-Mannschaft ging zum Lunch und wir konnten in aller Ruhe checken, ob alles dicht war bzw. funktionierte. Unser guter alter Mr. Perkins sprang auch sofort und ohne Mucken an. Alles bestens. Um 14:15 Uhr schwammen wir dann endlich auf und konnten rückwärts raus auf den River. Zuerst mal für ein paar Tage in die Urquartsbay zum Entspannen. Das haben wir echt nötig. Es sind auch noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, bevor wir dann, sobald der Wind Mitte kommender Woche auf südliche oder westliche Richtung dreht (drehen soll), in die Bay of Islands segeln können.

Eigentlich wollten wir noch eine neue Kuchenbode nähen, weil die alte zum Einen nicht mehr an das neue feste Dach passt und zum Anderen auch schon alt und ziemlich ramponiert ist.  In der Annahme, dass es ja eine neue gibt, hatten wir uns am Anfang des Landaufenthaltess auch nicht so wirklich in Acht genommen und da hat sie noch mehr gelitten. Aber wie das Leben so spielt, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Während des Lockdowns konnten wir kein Material kaufen und danach spielte das Wetter nicht mehr so richtig mit, um tagelang ohne Schutzplane zu sein. Deshalb dann die Entscheidung: die alte Kuchenbude wird passend umgefrickelt und muss noch über den Winter halten. Erst im Frühjahr oder Sommer, wenn mit stabileren Wetterverhältnissen zu rechnen ist, kommt das Projekt „Neu“ dran. Bei 25 kn Wind und immer wieder einem Regenschauer fummeln wir den Anschluß der alten Kuchenbude an die neue „Hütte“ zurecht. Sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus, dafür, dass es das erste Mal ist, dass wir so etwas machen.  Auf jeden Fall ist alles dicht, das ist die Hauptsache. Und jetzt genießen wir erst einmal die freien Tage ohne Pläne und Termine. Die Heizung läuft und es ist schön muckelig warm im Schiff.

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Wenn das Wetter mitgespielt hätte…

…würden wir übermorgen endlich wieder ins Wasser können. Aber leider wurden wir mal wieder total ausgebremst. Zuerst durch den Lockdown wegen Corona – wir hatten am letzten Tag der „Freiheit“ Mitte März noch schnell Vorstreichfarbe und Lack gekauft. Nur leider war die Vorstreichfarbe uralt und hatte eine dicke, feste Schicht oben auf. Umtausch nicht möglich, weil eben alles geschlossen. Also nix mit Boot streichen. Das Wetter wäre ideal gewesen. Wochenlang strahlender Sonnenschein und kein Regen. Jetzt haben wir seit Längerem alles zusammen und was ist? Aprilwetter vom Feinsten. Im 5-Minuten-Takt Regen – Sonne – Regen. An manchen  Tagen  auch mal stürmischer Wind dabei.

Der nächste Schauer ist schon im Anmarsch

Der Rumpf ist zum Glück mittlerweile lackiert. Wir hatten einmal zwischendurch für 3 Tage Sonne. Das Antifouling konnten wir im Akkord innerhalb von 3 Stunden aufpinseln. Kaum fertig, kam der nächste Regen. Glück gehabt 🙂 . Die neue Solarzelle ist seit heute auch  montiert. Der Anschluß kommt gleich dran. Unser neues „Dach“ ist fest und solide, die Scheiben mit viel Fluchen und Schimpfen „eingematscht“ und dicht. Nur die geplanten Canvas-Arbeiten stehen noch an. Das gibt noch einen weitern Akt. Ohne „richtige“ Segelnähmaschine eine echte Herausforderung. Unsere alte Singer Haushaltsmaschine geht bis an ihre Grenzen und teilweise darüber hinaus. Wird schon irgendwie funktionieren. Dadurch, dass wir unseren Wasserungs-Termin um eine Woche verschoben haben, bleibt ja noch ein wenig mehr Zeit zum Frickeln. Wäre nur schön, wenn es endlich mal länger trocken bliebe, damit wir die dicke Plane, die seit Wochen als Regenschutz über das Cockpit gespannt ist, endlich abnehmen in aller Ruhe die Teile anpassen können.

Hoffentlich kann die Plane bald weg

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Eine Bootslänge entscheidet…

…über Wohl und Wehe. Um gerade um diese Bootlänge sind wir der Katastrophe gestern Abend entgangen.

Den ganzen Nachmittag über zogen schon diverse Gewitter über uns hinweg mit mal mehr,  mal weniger starkem Regen. Ein Grund mehr, sich bei laufender Heizung einzumuckeln und einen Film anzusehen. Um  ca. 19 Uhr legten Wind und Regen zu und Rainer meinte, das wären aber wohl mehr als die angesagten 20 Knoten Wind. Kaum ausgesprochen, riss sich eine der Planen los, die wir als Regenschutz über das Cockpit gezogen hatten und wir spurteten nach draussen, um sie wieder einzufangen. Der Wind jaulte und der Regen peitschte auf uns ein. Nachdem wir endlich die Plane wieder gebändigt hatten, verzogen wir uns schnell wieder nach drinnen, um uns trocken zu legen und den Film zu Ende zu sehen.

Irgendwann klingelte das Telefon und Thomas fragte uns, ob wir alles gut überstanden hätten. Klar, wir sind nur nass geworden. Er meinte, es wären ja einige Schiffe in Sturm umgefallen und auf dem Boatyard herrsche das Chaos. Wir sahen uns nur verdutzt an und gingen erst mal nach draussen. Jetzt erst sahen wir die Bescherung. Unser Nachbar, der die besagte 10 m hinter uns stand, lag voll auf der Seite. Draussen funzelten einige Leute mit Taschenlampen rum und man konnte schemenhaft erkennen, was passiert war. Nachdem wir uns bei Claus erkundigt hatten, ob bei ihm alles in Ordnung sei, haben wir uns dann mit Taschenlampen bewaffnet draußen getroffen und einen Rundgang gemacht. Da ist uns dann erst so richtig bewusst geworden, wie nahe das an uns vorbei gezogen ist. Es hieß, es seien 2 Tornados gewesen mit Spitzengeschwindigkeiten von ca.  170 kmh. Und das nur für einige Senkunden. Die haben aber gereicht, um alles durcheinander zu wirbeln.

Heute Morgen haben wir dann den Rundgang mit Fotoapparat gemacht, um das Desaster auf Bildern festzuhalten.

Domino-Effekt

Eien Dinghi hängt hoch oben im Besanmast

Trotz Wochenende waren alle Boatyardmitarbeiter anwesend, um mit den Aufräumarbeiten und der Sicherung der umgefallenen Boote zu beginnen. Ab Montag wird es dann hier wohl so richtig los gehen.

MEERBAER steht noch fest und sicher

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