Biskaya ist kein Kaffeesegeln

Das war uns von Anfang an klar und wir hatten uns drauf eingestellt. Am Dienstag früh um 9.30 Uhr ging der Anker aus dem Schlick und los ging es. Zuerst 4 Stunden lang mit Motor, dann konnten wir endlich segeln. Wir hatten vorsorglich schon das Groß im 1. Reff hochgezogen, das war allerdings etwas voreilig. Der Wind war schwächer als erwartet. Also Reff raus und Besan auch noch hoch. Unter Vollzeug ging es dann prima mit 5 kn.

Gestern Mittag legte der Wind dann zu und brachte uns ins Schwitzen.  Besan runter, 1. Reff, kurz drauf 2. Reff, dann noch die Fock etwas eingerollt und ab ging die Luzie. Mit teilweise 7 kn auf der Logge sauste Meerbaer bei immer höher werdenden Wellen vorwärts. Ein paar Hammerböen gab es als I-Tüpfelchen obendrein.  Anstrengend, aber trotzdem immer wieder faszinierend.

Um Mitternacht war der Spuk dann schon wieder vorbei. Der Wind schlappte, die Wellen blieben uns noch ne Weile erhalten. Um 4 Uhr wurde es uns zu langsam und wir nahmen den Motor mit dazu.

Um 8 Uhr wollte Rainer kurz vor Wachwechsel noch eben Diesel in den Tagestank hochpumpen, da sah er die Bescherung. Der ganze Motorraum war geflutet. Wir hatten irgendwo Wasserreinbruch. Zuerst  Motor aus, Seeventil zu und ran an die Pumpe. Die gab nach ca. 100 l den Geist auf. Nun kam der gute kleine Nilfisk Buddy II mini zum Einsatz. Der kann auch Wasser saugen, nur passen lediglich 20 l in den Behälter. Also saugen, Staubsaugerinhalt ins Cockpit  kippen und weiter. Der Wasserstand sank merklich, also erstmal kein Loch irgendwo. Nachdem die Bilge leer war, mussten wir erst noch warten, bis sich der Motor abgekühlt hatte. Dann Seeventil auf, Motor starten und schauen, ob irgendwo Wasser spritzt. Der Übeltäter war schnell entdeckt. Das Wasser spritzte aus dem Wassersammler vom Auspuff. Motor wieder aus. Wir dachten erst, der Wassersammler wäre kaputt, aber als wir ihn ausbauen wollte, stellten wir fest,  dass eine Schlauchschelle locker war. Kleine Ursache, große Wirkung. Die Schlauchschelle ist wieder fest, alles dicht. Nochmal Glück gehabt.

Seit heute Mittag läuft der Motor mangels Wind wieder. Zum Rumdümpeln reicht die Zeit nicht. Wir sollten morgen Abend in Camaret sur Mer ankommen, ab Samstag ist Dickes angesagt, da wollen wir in der Marina sein und die Bilge mit Süßwasser spülen.

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Wir warten mal wieder auf unser Wetterfenster

Wir hätten ja auf dem Weg von den Azoren direkt nach Camaret sur Mer in der Bretagne durchsegeln können. Vom Wind her hätte es gut gepasst. Aber wir hatten uns bewusst entschieden, noch nicht so weit nach „Norden“ zu gehen, um nicht dort in der Hitze zu landen. War ja auch eine gute Entscheidung. Hier in Galizien ist es angenehm warm bei ca. 25 Grad. Das läßt sich gut aushalten. Wir liegen vor Camarinas vor Anker, fahren fast täglich mit dem Dinghi zur Marina, wo wir es kostenlos und sicher „parken“ können und spazieren durch den Ort. Aber jetzt nach 2 Wochen wird man doch etwas ungeduldig. Seit gut 10 Tagen bläst es hier beständig aus Norden und es ist erstmal keine Änderung in Sicht. Seit dem Wochenende haben wir nun „Bordarrest“. Der Wind hat auf teilweise 30 kn und mehr zugenommen und da wäre die Fahrt mit dem Dinghi eine recht nasse Angelegenheit. Der Weg zur Marina wäre ja problemlos mit Wind von achtern, aber der Rückweg mit Wind und Wellen gegenan dann eben nicht so lustig. Ein paar Spritzer sind ja ok, aber wenn es dann immer mal wieder ins Dinghi oder sogar ins Gesicht und auf die Klamotten gischtet, ist der Spaß dann doch irgendwann vorbei. Also hocken wir auf dem Meerbaer, prötteln vor uns hin (es ist ja immer was zu werkeln) und warten auf Wetterberuhigung. Angeblich soll der Wind ab Mittwoch nachlassen. Verhungern werden wir auf jeden Fall bis dahin nicht.

Ganz schön kabbelig

Sobald sich ein Wetterfenster für 3-4 Tage auftut, werden wir starten, aber bis dahin ist erstmal Geduld gefragt. Wir machen das Beste drarus.

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Überraschungsbesuch

Ich bekomme von meiner Schwiegertochter Ute ein Foto per WhatsApp geschickt. Ute und mein Sohn Marc und im Hintergrund unser Meerbaer vor Anker. Haha, hab ich zurück geschrieben, Fotoshop lässt grüßen! Weit gefehlt! Die Beiden stehen tatsächlich mit Hund ganz in der Nähe am Ufer! Was für eine Überraschung! Haben die sich mal eben ins Auto gesetzt und sind 1.200 km von Tarifa nach Camariñas gedüst, um uns zu besuchen. Von Donnerstag Abend bis heute Mittag hatten wir – und ganz besonders ich – ein paar schöne Tage zusammen. Nach einem Restaurantbesuch heute Mittag sind sie nun wieder auf dem Heimweg. Schade, due Zeit ging viel zu schnell um.

Abendessen an Bord

Abschiedsessen im Restaurant

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Wir sind am europäischen Festland angekommen

Hafeneinfahrt nach Muxia. Wir ankern davor.

Blick vom Ankerplatz auf den Strand

Nach 860 sm in 6 Tagen und 3 Stunden fiel unser Anker vor Muxia in der Ria de Corme e Laxe, kurz unterhalb von La Coruna. Was für ein Ritt!!! Das war Segeln vom Feinsten! Den Motor haben wir tatsächlich lediglich zwei Stunden bei der Abfahrt gebraucht und dann noch einmal eine Stunde für die Ansteuerung und das Ankern. Nur 5 Liter Diesel haben wir verbraucht. Bei den derzeitigen Dieselpreisen ein richtiges Geschenk.

Das Wetterfenster erwies sich als stabil bis zum letzten Moment. Am Anfang konnten wir mit raumem Wind unter Vollzeug segeln, später dann ab Halbwind ohne Besan und bei steigender Windgeschwindigkeit auch mal zwischendurch mit Groß in 1. Reff. Die letzten drei Tage ging es dann mit Amwindkurs und entsprechend mehr Schräglage weiter voran. Vor den Orcas hatten wir nicht so wirklich Angst, lediglich um  unser Aries-Ruder, das ja hinten frei hängt. Aber Orcas haben sich nicht sehen lassen. Alles ganz entspannt. Auch die Überquerung des Verkehrstrennungsgebietes verlief ohne Stress. Wir konnten ganz entspannt unseren Kurs zwischen den dicken Pötten segeln. Ein kleines Problem hatten wir dann doch. Weil der Wind gerade im VTG nachließ und wir das Gebiet möglichst schnell passieren wollten, haben wir den Motor zur Unterstützung gestartet. Problem: es kam kein Kühlwasser aus dem Auslass. Also Motor wieder aus. Zum Glück kam der Wind kurz darauf wieder zurück und wir konnten das Gebiet mit 6 kn durchqueren. Fehlersuche: der Impeller der Wasserpumpe war intakt und drehte sich auch. Deckel wieder drauf, Startversuch, Wasser kommt. Was da blockiert hat, keine Ahnung. Auf jeden Fall läuft es wieder. Wir werden es im Auge behalten.

Um 14.45 Uhr fiel dann unser Anker vor Muxia. Wir sind happy, angekommen zu sein und werden uns wohl ein paar Tage hier in der Gegend aufhalten. Evtl. ankern wir noch um Richtung Camarinas, weil der Wind morgen auf Nord drehen soll und wir da dann besser geschützt und ruhiger liegen werden. Mal sehen.

Irgendwann kommt dann auch das Wetterfenster für die Überquerung der Biskaya, aber wir haben es nicht eilig.

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Azoren – Galizien

Meerbaer rennt. So einen entspannten Start wie diesmal hatten wir schon lange nicht mehr. Nach zwei Motorstunden war segeln angesagt, und das vom Feinsten. Champagnersegeln sagt man dazu. Bei raumem Wind aus Süd segelten wir unter Vollzeug mit 6 bis 7 kn und das total ruhig. Ein Traum! Auch die Nacht durch und gestern tagsüber war es ähnlich. Gestern Abend legte der Wind etwas zu und kam leicht südöstlich. Der Besan musste runter und das 1. Reff ins Groß. Der Speed wurde kaum weniger. Heute früh konnten wir das Reff wieder rausschütteln. Der Wind kommt seitdem mehr vorlich und es ist etwas schräger an Bord geworden, macht dem Spaß am Segeln aber nichts.

So wie es aussieht, liegt unser Ziel nicht im Engl. Kanal, sondern in Galizien. Das sollte uns weiter schönen Segelwind bringen und Galizien ist auch eine Reise wert. Da können wir dann ganz entspannt auf das Wetterfenster zur Biskaya Überquerung abwarten und müssen uns nicht stressen.

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Bye bye Azoren

Leider waren wir viel zu kurz hier und haben nicht allzu viel davon gesehen, aber das Wenige hat uns total gut gefallen und wir sind doch ein wenig traurig. Aber es hilft nichts. Die Zeit rennt und es hat sich gerade ein passendes Wetterfenster aufgetan – wenn es denn so bleibt. Wir haben zwei Optionen. Im günstigsten Fall können wir direkt den Engl. Kanal ansteuern, wovon wir allerdings nicht ausgehen. Mit so viel Glück rechnen wir eher nicht. Also die andere Option: Galizien. Ein schönes Ziel, wo man dann ganz entspannt auf die Überquerung der Biskaya warten kann.

Wir werden sehen. Jetzt erstmal die ersten Meilen angehen.

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Porovaçāo und Furnas

Ganze zwei Nächte haben wir es auf dem Ankerplatz ausgehalten. Bedingt durch fehlenden Wind, der Meerbaer halbwegs stabil in der Richtung gehalten hätte, sind wir beide Nächte durchgeschaukelt worden, dass sogar die Besteckschubladen verriegelt werden mussten, weil sie permanent auf und zu gerutscht sind. Muss man nicht unbedingt länger haben, wenn es andere Lösungen gibt. Ein Anruf beim Clube Naval von Porovaçāo, ob sie einen Platz für uns hätten. Kein Problem, wir bekamen ein Foto von der kleinen Marina mit Markierung, wo wir anlegen könnten. Also Anker auf und los. Die neun Meilen waren in knapp zwei Stunden geschafft. Unterwegs konnten wir noch einige Liter Wasser produzieren, alles super!

Der Hafen ist wirklich mini und wir haben den einzigen freien Platz bekommen, der für unsere Größe passt. Ein super freundlicher Empfang im Club-Büro, ein wenig Papierkram, wie es in Portugal so üblich ist und der Hinweis, dass der Liegeplatz kostenlos ist. Es wäre nur nett, wenn wir vor der Abreise eventuell eine kleine Spende machen könnten. Ja wo gibt es denn sowas? Keine Gebühr für Liegeplatz, Wasser und Strom! Da macht das Spenden ja richtig Spaß.

Der kleine Hafen vom Clube Nautico. Am Ende vom mittleren Steg liegt unser Meerbaer, sonst fast ausschließlich kleine Motorbötchen.

Jardim de Municipal, der Kommunalgarten von Porovaçāo

Nachdem wir die ersten Tage den kleinen Ort inspiziert hatten, wollten wir mehr sehen. Ein Leihwagen schloss sich nach Preisanfrage aus. Wofür gibt es denn den öffentlichen Nahverkehr? Die Busse fahren zwar, je nachdem wo man gerade ist oder hin will, nicht wirklich oft, aber man kann sich ganz gut darauf einstellen. Die Busse sind einsame Spitzenklasse. Wie moderne Reisebusse, neu, sauber, gepflegt und spottbillig. Für eine Fahrt von über einer Stunde bis zum Largo das Furnas haben wir gerade mal 2,21€ pro Person bezahlt. Hier wird auf den Cent genau abgerechnet. Die etwas kürzere Rückfahrt von Furnas Cental zurück nach Porovaçāo kostete 1,99€.

Kleine Kapelle am Rand vom Kratersee

Montag war also der Largo das Furnas angesagt. Ein Kratersee, der mitten in der Caldera vom Vulkan liegt. Auch der gesamte Ort befindet sich mitten in der Caldera. Wer mehr darüber wissen möchte: da bietet sich Wikipedia sicherlich an. Der Spaziergang entlang des Sees war sehr entspannend und der Besuch des Informationszentrums echt lohnenswert. Hier wird die Geschichte bzw. Entstehung der Azoren interessant und anschaulich dargebracht.

Weil es uns so gut gefallen hat, haben wir die Zeit vertrödelt und den Bus zurück nach Furnas verpasst, wo wir uns ein kleines Mittagessen gönnen wollten. Und der nächste Bus sollte erst zwei Stunden später fahren. Und so haben wir auf unsere alten Tage am Straßenrand den Daumen raus gehalten und wurden dann auch tatsächlich von einem netten jungen Paar aus Spanien aufgesammelt und mit nach Furnas genommen. Die beiden wollten ebenfalls das traditionelle Cozido probieren, Fleisch, Wurst und Gemüse, stundenlang gegart in den heißen Quellen der Caldera.

Cozida traditional. Interessant und mächtig, auch lecker, nur für unseren Geschmack etwas knapp gewürzt.

Pünktlich um 15 Uhr ging dann der Bus zurück nach Porovaçāo. Ein interessanter Ausflug!

Blick aus dem fahrenden Bus

Überall am Straßenrand und in den Gärten Rhododendron in voller Pracht.

Nach einem Tag Pause dann heute der nächste Ausflug per Bus. Diesmal zu den Calderas von Furnas. Das brodelt, qualmt und müffelt leicht nach Schwefel. Wenn man sich vorstellt, dass die Erdkruste hier so dünn ist, dass das Wasser zum Kochen gebracht wird, ist schon irgendwie gruselig und faszinierend.

Die Erde kocht. In den Säcken, die man so eben erkennen kann, werden Maiskolben gegart.

Die Maiskolben werden heiß am Straßenrand verkauft.

Sogar auf den Gehwegen blubbert es

Unterschiedlich mineralisch „aromatisiertes“ Wasser kommt aus den Quellen, interessanterweise in verschiedenen Temperaturen zwischen 20 und 12 Grad.

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