Zeit für die Winterdecken

Wir sind ja nach 6 Jahren Tropen / Subtropen mittlerweile zu Frostköteln mutiert. Deshalb gibt es ab heute, nachdem wir die Wettervorhersage für die kommende Woche gesehen haben, wieder unsere muckeligen Daunendecken.

es wird so langsam frisch in der Nacht

In den nächsten Tagen werden wir auch unseren Reflex-Ofen wieder zum Leben erwecken. Zumindest morgens beim Frühstück ist es doch schon recht kühl und wenn sich demnächst die  Sonne tagsüber rar machen sollte, können wir die Wärme dann auch abends gut gebrauchen. Ganz abgesehen davon, dass wir so auch die Luftfeuchtigkeit gut nach draussen transportieren können.

Ansonsten nix Neues auf dem Meerbaer. Achso, ja doch: unsere große Solarzelle hängt wieder da, wo sie hin gehört: achtern auf den Davits.

Da hängt sie wieder (meistens ohne Abschattung)

Nachdem uns ja vor einigen Wochen eine der beiden weggeknackt war, haben wir uns eine neue besorgt und vorsichtshalber bei beiden eine Verstärkung einschweißen lassen. Jetzt dürfte die Angelegenheit stabil genug sein und auch das Dinghi sicher am Platz halten.

Vorübergehend hatten wir die Solarzelle auf dem Aufbau montiert, aber jedes Mal, wenn Meerbaer schwoite oder die Sonne so langsam über den Horizont auf die andere Seite wanderte, mussten wir den Großbaum schiften, um Abschattungen zu vermeiden. Das Thema ist ja jetzt zum Glück durch.

Zum leidigen Thema Corona: Hier ist alles total entspannt. Es gibt keine aktuellen Fälle dank der restriktiven Abschottung nach außen. Es ist bisher gerade mal einmal 1 % der Bevölkerung geimpft. Zuerst nur die „Frontarbeiter“, wie medizinisches Personal und Mitarbeiter an den Grenzen wie z.B. Zoll.  Wenn man den Medien glauben kann, dann sind wir in Gruppe 3 (65 Jahre und älter) ab Ende Mai dran. Und das selbst als Ausländer kostenlos. Auch wenn es später werden sollte, kein Problem. Wir warten ab. Wir haben ja nix auszuhalten und wir fühlen uns hier in Neuseeland sicher und gut aufgehoben. Die Immigration hat unser Visum erst einmal bis Ende September verlängert. Vor Ablauf werden wir einen neuen Antrag stellen und hoffen, dass wir dann endlich im Mai nächsten Jahren wieder weiter segeln dürfen.

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Tsunami-Alarm

Unser Plan war, nachdem gestern unser Marktbesuch in Paihia wegen des schlechten Wetters – was dann doch nicht gekommen ist – ins Wasser gefallen war, heute unseren Wocheneinkauf nachzuholen.

Aber erstens kommt es  anders, zweitens als man denkt. Kaum hatten wir unsere Telefone nach der Nachtruhe aktiviert , plärrte gleich der Alarm los. Zuerst dachten wir, schon wieder Covid 19-Alarm. Kennen wir doch schon. Vermutlich ist mal wieder einer in Auckland positiv getestet worden und Auckland geht wieder auf Stufe 3. War aber nicht. Heute mal Tsunami-Alarm mit Evakuierungsanordnung. In der Nacht gab es bei den Kermadec-Inseln, ca. 700 km weit draußen vor Neuseeland, drei dicke Erdbeben von Stärken bis 8,0. Vorher auch schon ein paar kleinere Erdbeben vor der Ostküste von Neuseeland. Der Alarm galt fast für den gesamten westlichen Südpazifik.

Solche Tsunami-Wellen haben eine irre Geschwindigkeit und da wir nicht wussten, ob die nun wirklich unterwegs sind und wenn ja, wo, sind wir gleich ohne Frühstück raus aus der Bay of Islands, bis wir auf einer Wassertiefe von fast 100 m waren. Da fühlten wir uns recht sicher. Und wir waren nicht alleine mit dieser Entscheidung. Es gab einen regelrechten Exodus aus der Bay.

Nix wie raus aus der Bay (das rote AIS-Signal sind wir)

In der Marina wurden die Leute aufgefordert, ihre Schiffe zu verlassen und höher gelegene Gebiete aufzusuchen. Das Marina-Büro war ebenfalls geschlossen und die Mitarbeiterinnen „auf der Flucht“.

Zum Glück hatten wir heute wunderschönes Wetter mit wenig Wind und so sind wir dann auf der 100 m-Linie segelnd hin und her getrödelt, bis dann gegen 14 Uhr die Entwarnung kam.

Und wir sind dann tatsächlich noch zu unserem Einkauf in Paihia gekommen und können uns morgen wieder verpieseln. Ein paar Tage müssen wir uns noch in der Bay aufhalten. Wir warten auf unsere polizeitlichen Führungszeugnisse aus Deutschland, die wir für unsere Visa-Verlängerungen brauchen und ausserdem bekommen wir ein neues Besan-Segel, das hoffentlich in der kommenden Woche endlich fertig ist. Das alte Segel hatte sich nach „nur“ 24 Jahren in seine Bestandteile zerlegt und war nicht mehr zu reparieren.

Hoffen wir mal, das die Spannung aus der Erdkruste jetzt raus ist und wir für die nächste Zeit Ruhe vor Erdbeben und Co. haben werden.

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Keine Geduld – und Zeit schon mal gar nicht

Jetzt haben wir die Sache doch noch selbst in die Hand genommen. Nach einem Telefonanruf heute Mittag bei der Spedition, ob denn nun unsere Batterien, die laut Tracking bereits in der Nacht um 3 Uhr in Whangarei angekommen sein sollen, nun auch auf dem LKW Richtung Opua sind, hieß es natürlich: „nein, die gehen erst Montag raus und sind dann gegen Nachmittag da“.

So eine Sch… aber auch. Wenn die Montag Nachmittag erst ankommen, müssen sie noch eingebaut werden und dann wenigsten 24 Std. am Ladegerät hängen. Dann ist es Dienstag Abend. Ausserdem soll es  ab Montag den ganzen Tag schütten wie aus Eimern und der Wind soll kräftig zulegen. Das hieße dann, Marinaaufenthalt bis Mittwoch oder Donnerstag, bis sich das Wetter wieder beruhigt hat. Nee, keine Lust drauf!

Kurzerhand haben wir uns deshalb entschlossen, uns schnell noch ein Auto zu mieten und die Batterien in Whangarei bei der Spedition abzuholen. Das hat dann auch prima geklappt. Um 18 Uhr waren wir wieder an Bord, alte Batterien raus, neue rein – die Kabel passen zum Glück – und jetzt sind wir fertig. Nicht nur mit der Arbeit sondern auch körperlich. Wir sind halt auch nicht mehr die Jüngsten 😉

Unser Marinaaufenthalt verkürzt sich jetzt auf Sonntag. Dann geht es wieder raus auf unseren Ankerplatz in der Pomare Bay. Da werden wir das Schietwetter aussitzen. Alles besser als in der Marina, wo der Wind auch noch von achtern kommen soll.

Wir sind zufrieden!

 

Mit neuer Energie versorgt

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Unerwarteter Marina-Aufenthalt

Wollten wir eigentlich ja gar nicht. Marina-Leben ist bekanntermassen nicht so wirklich unser Ding – ganz abgesehen von den Kosten.

Aber nun hat es uns kalt erwischt. Unsere Bordbatterien geben so nach und nach ihren Geist auf. Also müssen neue her. Dienstag in Auckland bestellt. Sollen „in a couple of days“ ankommen. Was auch immer das heißen mag. Nur leider sind wir derzeit in der Bay of Islands und da dauert es halt immer etwas länger. Weil die Batterien zusammen ca. 140 kg wiegen, kommen die per Spedition und die liefern erst einmal nach Whangarei ins Verteilerzeintrum, packen dort um und danngeht es (irgendwann – vielleicht muss erst der LKW voll werden? -) weiter Richtung Norden.

Laut Tracking-Information wurde die Lieferung am Dienstag Mittag zur Abholung avisiert. Und das ist auch der letzte Stand. Heute ist Donnerstag und das Wochenende steht vor der Tür.

Telefonat mit der Spedition: wird heute noch abgeholt.

Telefonat mit dem Händer: ist heute Mittag abgeholt worden

Laut Tracking ist aber nichts passiert. Wer erzählt hier die schönsten Märchen?

Unser Problem ist nun leider, wir müssen in die Marina. Wenn die Batterien noch weiter in die Knie gehen, kann es passieren, dass unsere Ankerwinsch wegen Unterspannung aussteigt und dann müssten wir 30 m Kette und den 35 kg schweren Anker von Hand hochzerren. Mal ganz abgesehen davon, dass auch unser Kühlschrank und im schlimmsten Fall unsere Wasser- und Toilettenpumpe aus dem gleichen Grund streiken. Keine tollen Aussichten. Also haben wir in den sauren Apfel gebissen und uns in die Bay of Islands Marina ins Workingdock verholt. Mal sehen, wie lange wir hier bleiben müssen.

Ein seltener Anblick: Meerbaer in der Marina

 

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Wasser ist zum waschen da..

Zähneputzen würde ich auf keinen Fall damit. Es geht um das Küstengewässer von Neuseeland. Ostküste von Great Barrier Island bis Bay of Islands. Nach fünf Monaten im Wasser mussten wir heute unseren Bootsrumpf vom Bewuchs befreien. Was für ein Desaster, Barnackles von drei bis zwölf Millimeter, mehr oder weniger dicht an dicht. Der Propeller schon wieder dick bewachsen. Mit zwei Leutchen und Flaschen schafften wir es nicht, alles zu entfernen.  Unglaublich! Die Krönung kam allerdings noch. Freunde mit einem Aluschiff liegen in der Nähe. Haben uns gebeten, ihren Wassereinlass für den Motor frei zu machen. Mit der Restluft in der Tauchflasche eben mal rüber. Ich dacht mich trifft der Schlag. Ein Riff starrte mich unter der Wasseroberfläche an. Mehrere Zentimeter dick ist das Unterwasserschiff bewachsen. Und das  sage und schreibe SECHS Wochen nach frisch gestrichenem Anitfouling. Ob das wohl mit der hervorragenden Wasserqualität zusammenhängt? Sicher aber auch mit der Qualität der Unterwasserfarbe. Ich glaube, die gibt es nur, um den Herstellern die Taschen zu füllen. Bestimmt nicht, um Bootsrümpfe vor Bewuchs zu schützen.

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Einmal ist immer das erste Mal

Bei jedem Ankerplatzwechsel zerren wir normalerweise das Dinghi an einer langen Schleppleine hinterher und sobald wir uns dem  neuen Ankerplatz nähern, heißt es: „Dinghi kurz!“. Das ist schon fast ein Automatismus. Nur heute hat die Automatik leider versagt 😉

Wir steuerten langsam und gemütlich den Ankerplatz an, Aufstoppen, Anker runter, langsam rückwärts zum Anker einfahren. Das übliche Procedere. Auf einmal  macht es einen Ruck und der Motor geht aus. Scheisse!!! Das Dinghi!!! So schnell war ich noch  nie in meinen Tauchklamotten. Rainer erst mal an den Motorraum. Ist noch alles fest? Hat es auch nicht den Antrieb auseinander gerupft? Nein, zum Glück ist noch alles in Ordnung. Dann also rein ins Wasser und den Schaden begutachten. Sind wir froh, dass wir eine so dicke Schleppleine für das Dinghi haben! Die hatte sich ca. 10 mal um den Schaft vor dem Propeller gewickelt und hat so den Antrieb blockiert und den Motor zum Stehen gebracht. Die Leine war ganz einfach wieder abzuwickeln. Motorstart: Läuft. Vorwärts: läuft. Rückwärts: läuft. Puh, der Adrenalinspiegel kann wieder auf Normal.

Ich glaube, so schnell passiert uns das nicht noch einmal. Vermutlich waren wir auch abgelenkt, denn gerade läuft das Tall Ships Race vor Russell und da gibt es eine Menge zu sehen.

Das alljährliche Tall Ships Race vor Russell

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Auf Tauchstation

Unter Maschine liefen wir in den letzten Tagen immer langsamer und wenn wir mit der Motordrehzahl höher gingen, stieg die Wassertemperatur. Ein untrügliches Zeichen, dass der Propeller zu einem Riff mutiert ist. Da hilft nur eins: abtauchen und schrubben.

Da der Chef „Ohr“ hat – praktisch 😉 – , muss die Bordfrau alleine runter. Nee, Scherz beiseite, so eine Gehörgangsentzündung ist was Feines. Und wenn man dann noch Wasser rein bekommt, fängt der Spaß erst richtig an. Deshalb hat der Käptn Tauchverbot.

Zuerst muss das Tauchgerödel ausgepackt werden. Das liegt nun schon so ziemlich genau ein ganzes Jahr lang vergraben unter der Koje. Wieviel Blei blauche ich nochmal? Keine Ahnung, hab ich natürlich auch nicht aufgeschrieben.

Zum ersten Mal, seit wir wieder im Wasser sind, darf auch der Generataor wieder arbeiten. Und er läßt uns tatsächlich nicht im Stich und rattert sofort los. Dann steht dem Laufen des Kompressors nichts mehr im Wege und die Bordfrau muss ran. Die ersten Überlegungen, mit dem Trockenanzug tauchen zu gehen, hab ich dann doch verworfen. Bei 20 Grad Wassertemperatur springen hier die Kinder stundenlang nur in Badeklamotten im Wasser rum und da schäm ich mich doch ein wenig. 4 Winter in den Tropen bei Wassertemperaturen jenseits der 25 Grad lassen einen schnell zum Warmduscher werden. Egal, es ist entschieden: der 3 mm Anzug ist ausreichend. Und tatsächlich: nach den ersten Schreckensrufen beim Wasserkontakt ist es gar nicht so kalt. Ich kann mich  ja schließlich warm arbeiten. Und das eine halbe Stunde lang. Eingeklemmt zwischen Ruderhacke und Rumpf – leider waren 4 kg Blei doch zu wenig, und ich hätte frei schwebend ganz schön strampeln müssen, um unten zu bleiben – geht es zuerst mit dem  Spachtel an das Propeller-Riff und dann zur Feinarbeit mit dem Kettenhandschuh.

Arbeitsplatz mit Aussicht. Sieht man unter Wasser leider nix von

Die Entscheidung steht fest: sobald das Ohr vom Chef wieder wassertauglich ist, geht es zu zweit an die Arbeit. Das Antifouling ist gerade mal 5 Monate drauf und trotzdem wachsen die Barnackels munter drauf los. Die Bay of Islands ist leider durch die exzessive Landwirtschaft und die Austernzucht dermassen  überdüngt, dass man dem Bewuchs kaum Herr wird. Aber wie heißt es so schön: „Man hat ja sonst nix zu tun“

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