Neumond und Meeresleuchten

Noch vor einigen Tagen waren wir uns einig, in naher Zukunft keine Langstrecke mehr zu segeln. Bei bis zu fast 30 kn Wind, hoch am selbigen. Nie gehabte Wassermengen im Cockpit. Salzverkrustet der ganze Dampfer. Mehrere Salzwasserduschen mit Klamottenwechsel. Blaue Flecken von Rumgeschubse im chaotischen Seegang. Selbst Klogänge wurden zum Balanceakt, vom Kochen ganz zu schweigen. Dazu heute, und auch gestern schon Kaffeesegeln von Feinsten. Und als Krönung heute Nacht Meeresleuchten. Meerbaer zieht eine Silberbahn durchs Wasser. Leider nicht zu foto.grafieren. Aber im eigenen Bildspeicher abgelegt. Vergessen alle Vorsätze und Ansagen. Segeln und leben auf dem Ozean ist einfach schön.

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Das Azorenhoch

Jeder kennt es, zumindest dem Namen nach. Tausendfach gehört am Ende der Nachrichten im Fernsehen und im Radio. Dieses Hochdruckgebiet liegt im Moment südlich der Azoreninseln. Kern 1024 mb und mal größer mal kleiner in der Ausdehnung. Im Moment hat es die Ausdehnung von Nord nach Süd um ca. 500 sm. West – Ost um 1000 sm. Tja, da stecken wir jetzt drinne. Wind? Pustekuchen! Ein Hauch, mal aus Nord mal aus Nordost. Nie mehr wie 2 kn. Zu wenig, um unsere 17 t zu bewegen. Leider werden wir den Großteil der Strecke mit unserem Mr. Perkins bewältigen müssen. Verhagelt doch tatsächlich unsere gute Ökobilanz. Jede Stunde pusten wir 2 Liter feinsten Dieselkraftstoff durch den Auspuff. Pfui, kann man da nur sagen. 😮

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Zu den Azoren  – Tag 5 und 6

Wie erwartet, ist der Starkwind durch. Heute früh um 4 Uhr konnten wir ausreffen und von da an ging es stetig abwärts mit dem Wind und dem Speed. Wir hatten ja gehofft, uns an dem Hochdruckkern vorbeischleichen zu können, sind aber wohl doch zu nah dran. Im Laufe des Vormittags konnten wir etwas Nord gut machen, aber jetzt in der Nacht stimmt die Richtung nicht so wirklich. Wir sind wieder in Richtung Neufundland unterwegs. Mal abwarten, wann der Wind gnädigerweise auf Ost zurückdreht und wir wieder die Azoren voraus haben. Im Moment treiben wir nur noch mit einem Knoten voran. Solange die Segel nicht wieder anfangen, nervtötend zu schlagen, bleibt der Motor erstmal aus.

Auf jeden Fall genießen wir jetzt die Ruhe an Bord. Endlich konnten wir uns wieder eine Dusche gönnen. In den letzten Tagen war die Körperpflege doch etwas ins Hintertreffen geraten, wo wir ja schon froh waren, uns die Zähne unfallfrei putzen zu können.

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Zu den Azoren  – Tag 2 bis 4

Und die wilde Jagd geht weiter. 20 bis 25 kn Grundwind plus dicke Böen, dazu Wellen, die nicht zu verachten sind.  Meerbaer donnert am Wind mit 6 bis 7 kn da durch. Und die Crew übt sich im Bergsteigen bei der Schräglage und dem Gehoppse. Kochen, Abwasch und der Gang zur Toilette sind zu Turnübungen mutiert. Angeblich soll der Spuk morgen vorbei sein und der Wind moderater werden. Wir lassen uns überraschen und halten durch.

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Zu den Azoren – Abfahrt und Tag 1

Freitag Mittaz um 12 Uhr waren wir soweit. Auf zu den Azoren!

Am Mittwoch hatten wir noch zwei Taucher bestellt, die haben die restlichen Entenmuscheln und den mittlerweile in der Marina gewachsenen grünen Belag von Unterwasserschiff gekratzt, den Propeller von Bewuchs befreit und die Logge wieder gängig gemacht. Donnerstag haben wir noch letzte Einkäufe erledigt, den Meerbaer zwei Stunden lang nochmal mit dem Hochdrockreiniger bearbeitet, Freitag früh ausklariert, nochmal am die Marina-Tankstelle ran, 300 l Diesel nachgefüllt  – fertig.  Leinen los!

Der neue Autopilot läuft prima, steuert ruhig und verbraucht weniger Strom als der ate. Sehr erfreulich!

Weil der Wind ziemlich nördlich kam, sind wir unten um San Antao rum. Zuerst war es ziemlich ruppig, nur mit der Fock liefen wir bis zu 5 kn, aber als wir dann in den Windschatten der Insel kamen, wurde es merklich ruhiger. Dann war der Wind erwartungsgemäß für zwei Stunden weg und wir konnten in aller Ruhe das Großsegel setzen, vorsichtshalber gleich ins 2. Reff, wir erwarteten nicht gerade leichte Winde, sobald wir aus dem Windschatten raus kamen. Und so war es dann auch. Der Wind legte ordentlich zu auf 20 kn mit heftigen Böen. Wir sausten zuletzt mit 6 kn und mehr am Wind voran. Es wurde ziemlich ruppig. Meerbaer machte in den immer höher werdenden Wellen Bocksprünge. Das Leben an Bord wurde etwas ungemütlich. Ab und zu donnert ein Brecher vorne auf Deck und schüttet literweise Wasser über den Aufbau rüber und von oben rein ins Cockpit. Kleine Dusche gefällig oder lieber in Deckung gehen? In der Nacht zu heute (Sonntag) wurde es etwas ruhiger. Die heftigen Böen haben sich ausgetobt und die Wellen sind moderater geworden. Wir sind zufrieden.

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Wieder unterwegs

Nach wie immer drei stressigen Tagen vor der Abreise sind wir um 12 Uhr los. Auf zu den Azoren⛵️⛵️⛵️. Wir rechnen mit ca. 2 Wochen auf See.

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4 Wochen Mindelo sind genug

Wie schnell die Zeit vegeht. Nun sind wir schon vier Wochen hier und konnten doch schon so einiges klären, um unseren Blitzschaden teilweise zu beheben.

Das Problem hier auf den Kapverden ist die Lieferzeit bei Bestellungen. Die Zeitspannen liegen zwischen zwei und sechs Wochen, was für uns nicht so wirklich passend ist. Wir möchten doch bald Richtung Azoren aufbrechen.

Wir haben uns deshalb entschlossen, nur die wichtigsten und soweit kurzfristig zu beschaffenden Dinge einzuplanen. Die Kühlschrankreparatur war natürlich vorrangig und wurde sofort in Angriff genommen. Er läuft wieder! Der Autopilot ist mittlerweile Ende der letzten Woche eingetroffen und weitestgehend eingebaut. Kabel sind verlegt und Instrumente eingebaut.Morgen werden die Kabel von einem Techniker angeschlossen und dann sollte das Teil laufen – hoffen wir mal.

Alles Weitere haben wir verschoben. Eine passende Lichtmaschine ist hier nicht zu bekommen. Die haben wir in  Deutschland bestellt und lassen sie direkt zu den Azoren liefern. Bis dahin können wir uns auch so behelfen. Ist zwar umständlich, funktionierte aber auch schon auf dem Weg hierher nach dem Blitzeinschlag. Das sollte dann für weitere zwei Wochen auch kein Problem sein. Kabel, Sicherungen und so weiter sind auch auf dem Weg zu den Azoren, ebenso Radar und  Plotter. 12 Volt Navi-Computer, 12 Volt Bildschirm und vieles Andere gibt es hier überhaupt nicht zu kaufen. Aber das ist alles nicht ganz so wichtig. Navigieren können wir mit Laptop, Tablet oder Smartphone. So können wir uns in Deutschland ausreichend informieren und das Passende kaufen.

Geplant ist eine Abreise am Donnerstag oder Freitag, wenn die Wettervorhersage passt. Daumen drücken!!

Ein paar Worte zu Mindelo: Wir waren ja schon einmal  vor 15 Jahre hier. Seitdem hat sich erwartungsgemäß Vieles verändert. Die Stadt ist aufgeräumter, sehr sauber – obwohl nirgendwo in der Stadt Mülleimer zu sehen sind – es fahren jede Menge SUVs rum, die kaum in die schmalen Gassen passen, Die kleinen Supermärkte bieten viele europäische Produkte, vorwiegend aus Portugal, an. Was sich kaum verändert hat ist der Fischmarkt und die Verkaufsstände für Obst und Gemüse in den Straßen.

Die Qualität und Frische von Obst und Gemüse ist an den Straßenständen wesentlich besser als in den Supermärkten

Die Marina ist nach unserer Meinung „das Letzte“. Kein Service, außer von den Marineros, die wirklich aufmerksam und hilfsbereit sind. Alles, wirklich alles muss bezahlt werden. Wasser (0,02 € pro Liter), Strom (brauchen wir zum Glück nicht). Müll wird man nur los, wenn man einen Liegeplatz in der Marina hat, Zugang über eine Keykarte. Ebenso bekommt man auch nur Wasser als Marinalieger. Selbst gegen Bezahlung ausgeschlossen. Wenn man am Anker liegt und das Dinghi am Dinghisteg der Marina liegen lassen möchte, kostet es 4 € pro Tag. Zudem ist das Liegen in der Marina sehr unkomfortabel. Es ist schwellig, dass man Mühe hat, von und an Bord zu kommen. Das Boot schiebt hin und her und vor und zurück. Was uns sehr kritisch aufgefallen ist: es gibt keine Leiter, auf der man im Falle „Sturz ins Wasser“ wieder an Land kommt. Nicht ein Steg, der über eine Badeleiter verfügt. Wir haben dieses dem Marinamamager gesagt, seine Reaktion mit einem süffisanten Lächeln: Das ist Absicht, weil schwimmen in der Marina verboten ist. Falls jemand ins Wasser fallen sollte, so ist ja die Secirity da. Klar, der Securitiy-Mann sitzt am Anfang des Steges in seinem Häuschen und spielt an seinem Smartphone. Der bekommt sicherlich nicht mit, wenn am Ende des Steges jemand in Seenot gerät.

Was auch den Aufenthalt hier unschön macht ist der permanente Starkwind. Seit über drei Wochen bläst es hier mit mindestens 20 kn, Böen in Spitzen 40 kn. Der Wind bläst Staub und Sand vor sich her und das lagert sich schön klebrig an Deck, an den Masten, Wanten und Stagen, der Reling und allen Aufbauten ab. Vor einer Woche hatten wir den Meerbaer mit dem Hochdruckreiniger geputzt. Heute sieh es schon wieder so aus:

Dreck und Sand, gesammelt innerhalb einer Woche

Und den Dreck atmen wir auch noch Tag und Nacht ein. Wir sind froh, wenn wir wieder auf See in der sauberen Luft unterwegs sind.

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