Manchmal kommt es anders…Planänderung

Eigentlich wollten wir ja gestern (Montag) Vormittag die Leinen loswerfen und Richtung Terceira starten. Aber manchmal steckt der Teufel im Detail. Bei der Frühstücksvorbereitung stellen wir fest, dass der Kühlschrank wohl während der Nacht seinen Dienst eingestellt hatte. Na toll, das fehlte gerade noch. Die erste Fehlersuche ergab kein Ergebnis. Alle Kabel schienen ok, Strom kam am der Blackbox an. Was war da los? Die Blackbox war ja gerade erst vor 2 Monaten erneuert worden. Sollte die schon kaputt sein? Zum Glück war gerade ganz in der Nähe der Kühlschrankspezialist an einem anderen Schiff beschäftigt.  Dank des Anrufs vom Hafenmeister kam der auch gleich vorbei. Nach einiger Sucherei und Messerei stellte er dann fest, dass tatsächlich das  Kabel zum Thermostat angegammelt war. Ausgetauscht: läuft wieder!

Nun war aber leider schon Mittag und das Wetterfenster nach Norden schloss sich so langsam wieder. Wären wir morgens los gekommen, hätte es gereicht, aber bei einer Abfahrt erst mittags hätten wir spätestens in der Nacht den Wind auf die Nase bekommen. Nix für uns. Also Planänderung. Wir bleiben noch eine Nacht in der Marina und heute dann Leinen los und entlang der Insel Sao Miguel nach Osten. Wir wollten ja eh die neuen Installationen testen und das passte dann ganz gut, dass wir in der Flaute unterwegs waren. Nach drei Stunden hatten alle Systeme die Prüfung hervorragend bestanden und wir warfen  den Anker vor dem Örtchen Vila Franca do Campo. Nun schaukeln wir hier bei einem Schwell von mehr als einem Meter vor uns hin. Weil wir in den letzten Tagen eher südliche bis östliche Winde hatten, steht der Seegang noch auf die Südküste, soll aber während der Nacht und dann morgen erheblich nachlassen. Das werden wir schon aushalten. Da können dann schonmal die Seebeine nachwachsen 🙂

Kurz vor unserem Ziel liegt die Insel Ilheu de Vila Franca do Campo mit einem Vulkankrater, den man – natürlich nicht selbständig, sonder nur begleitet und natürlich Kurz vor unserem Ziel liegt die Insel Ilheu de Vila Franca do Campo mit einem Vulkankrater, den man – natürlich nicht selbständig, sonder nur begleitet und selbstverständlich nicht kostenlos – besuchen kann. Von Weitem könnte man meinen, man nähere sich Helgoland mit der berühmten „Langen Anna“.

Die „Lange Anna“ der Azoren 😉

 

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Auf zur nächsten Insel

Mehr als drei Wochen in der Marina Ponta Delgada sind genug. Wir konnten Meerbaer wieder fit machen. Fast alle Schäden vom Blitzschlag sind behoben. Radar neu, Plotter neu, Jede Menge Kabel von den Verbraucher-Batterien zum Motor und zur Starter-Batterie inklusive diverser Absicherungen sind gezogen und verbaut. Der erste Test verlief erfolgreich. Der ultimative Test läuft morgen nach dem Start. Wir wollen die ersten Meilen motoren, um auch wirklich sicher zu sein, dass alles problemlos funktioniert. Die Aries konnten wir zumindest so weit wieder richten, dass sie mit einem Trick funktioniert, aber irgendwo da drin scheint etwas zu blockieren. Bis wir in Deutschland sind, müssen wir uns eben mit Trickserei behelfen. Wir wollen ja nicht die ganze Strecke mit dem Autopiloten segeln.

Gestern noch ein größerer Einkauf per Taxi, auch schonmal ein paar Vorräte für die längere Strecke eingesammelt und dann wieder zurück mit den Einkäufen zum Meerbaer. Leichter gesagt als getan. Weder Bolt noch Taxi waren zu bekommen. Alle „busy“. Nach einer halben Stunde hatte dann doch noch ein Fahrer Mitleid mit uns und sammelte uns am Supermarkt ein. Kurz vor der Marina dann eine Straßensperre. Es liefen die Vorbereitungen für die Parade zum Fest „Espirito Santo“. Zum Glück konnte unser Fahrer den Polizisten bezirzen und er durfte uns vor der Marina absetzen.  Das wäre ein strammer Marsch geworden mit den vielen, teilweise recht schweren Einkaufstaschen.

Geschmückte Festwagen zum Fest „Espirito Santo“

Die Parade haben wir uns dann auch angesehen. Jede Menge Holzkarren, die wie Weinkiepen aussehen und alle unterschiedlich geschmückt, wurden von jeweils zwei Ochsen gezogen.

Gleich geht es zum Ausklarieren und morgen früh nach dem Frühstück starten wir Richtung Terceira. Die Insel liegt ca. 90 sm weiter nordwestlich und die Vorhersage verspricht östliche Winde. Hoffen wir, dass es stimmt. Das soll dann auch irgendwann unser Absprungort sein für die Fahrt Richtung Engl. Kanal – oder doch Nordspanien? Der Wind wird uns dann schon den Weg vorgeben.

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Schon seit einer Woche in Ponta Delgada

Und wir waren schon recht fleißig. Nachdem wir das Wochenende zur Erholung genutzt hatten, ging es dann ab Montag ans Werkeln. Die neue Lichtmaschine hatte schon beim Hafenbüro auf uns gewartet und das Paket von SVB mit dem ganzen benötigten Kabelgedöns war auch schon angekommen.

Der Ausbau der alten, defekten Lichtmaschine ging recht flott, aber es mussten auch jede Menge alte Kabel entfernt und neue gezogen werden, weil wir unser Ladesystem total umgestellt haben. Da war höchste Konzentration angesagt. Ein Fehler und die ganze Chose fliegt uns um die Ohren bzw. geht in die Grütze. Die neue Lichtmaschine passte natürlich nicht auf die alte Halterung und so waren noch ein paar Umbauarbeiten angesagt.

Nach drei Tagen dann der Test: lädt die Lichtmaschine so, wie es geplant war? Jawoll!! Einen dicken Stein konnte man plumpsen hören. Das Thema ist schonmal erledigt.

Unsere alten Baumpersennige haben sich mittlerweile nach 10 Jahren in Wohlgefallen aufgelöst und werden nur noch durch Löcher zusammengehalten. Der ständige starke Wind auf dem Kapverden hat ihnen das den Rest gegeben. Da ist nix mehr zu reparieren. Der Stoff ist so mürbe, da fallen schon beim näheren Hinsehen die nächsten Löcher ein. Also Anfrage beim ansässigen Segelmacher nach einem Angebot. So rechte Lust hatte der wohl nicht und hat uns dann einen Preis genannt, der jenseits von Gut und Böse lag. Dann eben nicht. Auf See brauchen wir die Dinger eh nicht und bis wir in Deutschland sind, werden die Segel wohl auch noch ohne Sonnenschutz aushalten.

Mercado da Graca – der Bauernmarkt

Von Ponta Delgada und von der Insel Sao Miguel haben wir bis jetzt natürlich noch nicht viel gesehen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen 😉  Was wir allerdings bisher bei unseren Einkaufsgängen gesehen haben, gefällt uns wirklich sehr gut. Vor allem der Bauernmarkt bietet ein Angebot, davon haben wir seit Südafrika geträumt. Fast alles aus lokalem Anbau und zu Preisen, da muss man einfach zuschlagen. Gerade leben wir wieder so richtig gesund mit vielen Vitaminen 🙂  Und wir als Käsefans kommen auch da auf unsere Kosten. Der Käseladen am Eingang vom Markt bietet Unmengen von Azoren-Käse an, natütlich darf man vor dem Kauf auch probieren. Da gibt es viele leckere Sorten und man kann sich schwer entscheiden.

Käse, einer leckerer als der andere

Die Stadt Ponta Delgada ist natürlich voller Touristen, hat aber trotzdem ihren eigenen Charme. Die kleinen Gassen und Gehwege sind liebevoll mit schönen Mustern gepflastert und viele kleine Geschäfte bieten ihre Waren an – neben etlichen Souvenirgeschäften.

Eine Gasse in Ponta Delgada

Ach ja, meine neuen Segelstiefel waren auch in dem Paket von SVB. Meine schweineteuren, kaum getragenen Dubarry-Stiefel hatten sich ja schon vor einigen Jahren von ihrer Sohle verabschiedet und sind auf dem Müll gelandet, nachdem die Firma Dubarry sich nicht zu einer Garantie-Lösung hat überreden lassen. Bis jetzt waren Stiefel auch noch nicht so wirklich angesagt, aber nun werden wir uns bald wieder in Gegenden aufhalten, wo es doch etwas kühler ist als in den Tropen/Subtopen, und nichts ist für mich schlimmer als kalte Füße, besonders währen der Nachtwache.

 

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Ponta Delgada, Sao Miguel, Azoren – ANGEKOMMEN

Nach mehr als 15 Jahren sind wir wieder zurück in Europa.

Der letzte Tag auf See verlief noch recht unspektakulär. Ein paar Regenschauer in den frühen Morgenstunden haben dankenswerterweise den Kapverden-Dreck aus Mast, Stagen und Segel gespült. Auch das Salz ist fast vollständig weggewaschen. Weniger Arbeit in der Marina 😉

Boots-Waschanlage

Die letzten Stunden war dann tatsächlich noch Mr. Perkins gefragt. Der Wind schlief mal wieder total ein und wir wollten gerne morgens früh ankommen, weil ab Mittag Regen angesagt war und da wollten wir schon gerne am Liegeplatz sein. Hat auch  gut geklappt. Um 8 Uhr Ortszeit waren wir da, das Behördenbüro war schon offen und das Marinabüro öffnete um 9 Uhr. Wir haben tatsächlich den allerletzten freien Liegeplatz in der Marina ergattern können. Hier ist zwar ein ständiges Kommen und Gehen, aber wir waren ja recht früh da und diejenigen, die abreisen, haben meistens Zeit und fahren erst gegen Mittag los.

Jetzt erstmal entspannen, die Landbeine müssen wieder wachsen. Wir torkeln noch wie betrunken über den Steg. Zur Feier des Ankommens haben wir uns für heute mal ein Restaurant-Essen gegönnt. Einmal nicht kochen tut auch gut. Und es war lecker! (vor allem das erste Bier).

Prosit!

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Zu den Azoren – Tag 12

Wir sind raus aus den Einfluss des Kerns vom Azorenhoch. Es geht wieder mit mehr Tempo voran. Wenn nichts mehr dazwischen kommt, werden wir morgen  (Freitag) in Ponta Delgada einlaufen. Da warten schon drei Pakete auf uns, verbunden mit jeder Menge Arbeit. Das Basteln, um die Blitzschäden zu beseitigen, geht weiter.

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Zu den Azoren  – Tag 11

Wir schleichen gemütlich weiter. Nachdem wir in den letzten Tagen einmal 48 Stunden und einmal 12 Stunden am Stück motoren mussten, weil wir totale Flaute hatten, können wir seit (ich glaube, 2 Tagen – die Zeit verwischt irgendwie und ist total egal), wieder segeln. Nicht gerade flott, dafür aber entspannt. Zwischen 2.5 und 4 kn, meistens um die 3 kn. Hauptsache, die Richtung stimmt. Noch ca. 230 sm bis Ponta Delgada.

Heute hat es noch unsere Aries erwischt. Die Windfahne hing auf einmal so komisch schräg und bei näherem Hinsehen stellen wir fest, dass sie nur noch an den Steuerseilen und der Sorgleine vom Ruder hing. Irgendwie muss sie sich aus der Halterung raus gearbeitet haben. Wir konnten zum Glück das Ruder demontieren und die Aries wieder halbwegs befestigen, können sie aber erstmal nicht benutzen bzw. reparieren, bis wir in der Marina fest liegen. Glücklicherweise sind wir eh mit Autopilot unterwegs, weil die Aries bei dem geringen Tempo zu große Ausschläge beim Steuern macht. Der Autopilot steuert auch bei niedriger Geschwindigkeit exakter.

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Neumond und Meeresleuchten

Noch vor einigen Tagen waren wir uns einig, in naher Zukunft keine Langstrecke mehr zu segeln. Bei bis zu fast 30 kn Wind, hoch am selbigen. Nie gehabte Wassermengen im Cockpit. Salzverkrustet der ganze Dampfer. Mehrere Salzwasserduschen mit Klamottenwechsel. Blaue Flecken von Rumgeschubse im chaotischen Seegang. Selbst Klogänge wurden zum Balanceakt, vom Kochen ganz zu schweigen. Dazu heute, und auch gestern schon Kaffeesegeln von Feinsten. Und als Krönung heute Nacht Meeresleuchten. Meerbaer zieht eine Silberbahn durchs Wasser. Leider nicht zu foto.grafieren. Aber im eigenen Bildspeicher abgelegt. Vergessen alle Vorsätze und Ansagen. Segeln und leben auf dem Ozean ist einfach schön.

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