Jetzt hat es uns auch erwischt. Wir schwitzen bei 37 Grad und 40 % Luftfeuchtigkeit. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Unser Sonnensegel bringt auch nur psychologischen Schutz. (Nur feste dran glauben, dann wird es sofort kühler!)Was wir trinken, können wir uns auch gleich über den Kopf gießen. Es wird sowieso umgehend wieder ausgeschwitzt. Als kleine Erfrischung haben wir heute unseren Kühlschrank abgetaut und uns dann darum gerissen, wer das Eis und das Eiswasser auswischen darf. Das Vergnügen war allerdings auch nur von kurzer Dauer. Ansonsten heißt es nur: viel trinken, wenig bewegen und ab nach unten ins Boot (da sind „nur“ 30 Grad).
Die Bordfrau war natürlich ganz schlau und hat sich gedacht: ich geh nach vorne vor den Mast in den Schatten, da ist auch Wind und da ist es bestimmt schön angenehm. Aber weit gefehlt: Der Wind war so warm, man dachte, es hält jemand einen heißen Haarfön auf den Bauch. Also doch wieder ab nach unten.
Heute Abend kam Thomas, der Segelmacher vorbei – natürlich bei der täglichen Duschorgie am Steg – und sagte: überall, wo man hinkommt, nur halbnackte Leute unter dem Wasserschlauch. Da hatten wohl andere die gleiche Idee.
Wir haben jetzt 21.30 Uhr Ortszeit und immer noch 32 Grad. Ob das noch mal weniger wird? Die Nacht wird bestimmt lustig.
Nachtrag: immer noch 32 Grad im Windschatten. Der Wind springt einem mit gefühlten 45 Grad an, wenn man den Kopf über die Sprayhood hält. Ausserdem sind es bestimmt 25-30 kn Wind. An Schlaf nicht zu denken!
Damit niemand glaubt, wir hätten unsere Pläne geändert und blieben auf den Kanaren hängen, wie so viele andere vor uns:
Wir liegen zwar immer noch von Anker in Valle Gran Rey auf La Gomera, wir sind aber schon kräftig bei der Planung der weiteren Reise.
Anfang der Woche haben wir unseren Tetanus- und Diphterie-Impfschutz aufgefrischt und heute bekamen wir die erste von zwei Dosen gegen Hepatitis A und B verpasst. In ca. 4 Wochen holen wir uns die zweite Dosis (wahrscheinlich auf Gran Canaria), dann haben wir einen 10-jährigen Schutz, der erst einmal reichen dürfte.
Die Impfung ging ganz problemlos hier bei einem der hier ansässigen deutschen Ärzte. Da hatten wir noch nicht mal Verständigungsprobleme. Kann besser kaum sein.
Nach der heutigen Impfung sollen wir uns 1-2 Tage nicht anstrengen und alles ruhig angehen (noch ruhiger? Wie soll das denn gehen?)
Nach 15 stündiger Motorsegelnachtfahrt sind wir mit 49sm auf der Logge im Valle Gran Rey angekommen. Ist doch recht mühsam, gegen Passatwind und Canarenstrom an zu kommen.
Nach dem 4 wöchigen Outback ( El Hierro) somit wieder in der “Zivilsation”. Merkt man gleich wieder z.B. daran, dass die Bordfrau wiehernd den neuesten Vallebooten liest ( www.valle-bote.com, die internetversion). Diesee Postille iste eine geniale Mischung zwischen Titanic, Stern und Spiegel, wobei der Schwerpunkt sicherlich auf Titanic liegt. In den Läden und vor allem in der Hafenkneipe wird überwiegend deutsch gesprochen. Unseren Segelmacher Thomas von San Sebastion haben wir hier auch schon mehrfach zum Biere getroffen.
Die Sturmtaucher lärmen nachts an der Steilwand rum. Stört allerdings überhaupt nicht. Hier ist richtig Hochsommer mit tagsüber über 30 im Schatten. Sehr angenehm ist es da in den 24 Grad kalten Atlantik zu springen und eine oder auch zwei Runden um den Dampfer zu schwimmen. Bald wieder mehr, auch mit Fotos.
Gestern Abend haben wir eine kleine Abschiedsfeier mit Silke und Pete von der “Sparrow” und Jürgen von der “SY Maco” gehabt. Geplant war, dass wir heute früh um 7 Uhr die Leinen los machen und Richtung la Gomera segeln. Aber wie so oft im Leben kam alles ganz anders. Nach dem Vollmond am Sonntag hatten wir in der letzten Nacht so einen Schwell im Hafen, dass an schlafen nicht zu denken war. Heute Morgen um 5 Uhr haben wir dann den Wecker abgeschaltet und uns entschlossen, erst heute Abend abzufahren.
Um 9 Uhr klopfte es dann am Schiff: Silke und Pete standen mit frischen Brötchen und einen “Anlegerbier” am Boot. Sie hatten sich extra den Wecker auf 7 Uhr gestellt, um uns gebührend mit Getröte zu verabschieden. Da standen sie dann im Morgengrauen und der Meerbaer lag noch im Tiefschlaf. Auch Jürgen hatte sich extra den Wecker gestellt und stand eine halbe Stunde lang mit dicken Augen an seiner Reling und wartete, dass der Meerbaer sich vom Steg löste.
Müssen wir jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Wir glauben nicht, denn die Drei sprechen noch immer mit uns. Dann wird eben heute Abend getrötet und gewunken.
Leider, leider war vorgestern unser letzter Tauchgang auf der Insel El Hierro. Wir waren mit Günter von der Basis Fan Diving nochmal mit dem schnellen Zodiac rausgefahren. Allzu weit waren wir nicht, nur eben um die Hafenmauer auf den Tauchplatz Punta Restinga 1. Ein Riff, das direkt vor dem Hafen Restinga liegt. Klasse Tauchgang, Ankertiefe 8m, dann runter bis knapp 17 m und am Riff längs wieder zurück. Irres Tauchen am Riff entlang und über uns der Seegang, der sich an den Felsbrocken bricht. Viel Fisch, für uns als Krönung ein Schlangenaal. Imposant gezeichnet und vom Erscheinungsbild eher eine Schlnge als ein Aal. Wir haben mit unserem Guide Günter viel gelernt auf diesen 7 Tauchgängen und sind vom blutigen Anfängerstatus etwas abgerückt (hoffen wir doch!!)
Morgen wird der Propeller und der Rumpf vom Meerbaer noch geputzt. Dann die Tauchklamotten getrocknet und weg gepackt. Nächste Woche geht es wieder rüber nach La Gomera. Ewas über 50sm gegen den vorherrschenden Passat.
Wir sind nun ja blutige Anfänger in dieser Wassersportart mit unseren gerade mal 12 Tauchgängen. Natürlich sind wir immer hin und weg, wenn wir zwischen all dem Meeresgetier rumpaddeln.
Aber Leute, es ist einfach unglaublich, selbst sich in die Tiefe zu begeben.
Klar gibt es viele Tauchvideos und Filme und Fotos. Aber selbst erleben, selbst sehen und fühlen geht über alles.
eine wunderschöne schwarze Muräne
braune Muräne
der Igelfisch will wohl knutschen...
Alle Bilder und auch das Video hat Günter von Fan Diving während unseren gemeinsamen Tauchgängen aufgenommen. Wir sind immer noch sehr mit dem “Zurechtfinden” mit dem Material und dem Medium beschäftigt. Aber ein gemeinsames Ziel ist es auch, nicht mit der Harpune zu jagen, sondern mit Foto- und Filmkamera.