Um uns tobt das Leben

Gestern mal wieder Weltuntergang. Diesmal „nur“ Regen, kein Sturm. Aber der Regen hatte sich gewaschen! Wie aus Eimern. Nach einer Stunde war unser Dinghi, das wir dummerweise noch nicht hochgezogen und den Stöpsel entfernt hatten, halb voll. Da blieb uns nichts anderes übrig als spärlichst bekleidet ins Unwetter raus zu krabbeln. Zum Glück ist hier der Regen schön warm. Hat sogar Spaß gemacht. Dann noch eine Plane über die Sprayhood gespannt, damit nicht wieder das Wasser durch die leckenden Nähte sprudeln konnte. Nahtdichtungsmittel ist unterwegs. Der Segelmacher hatte umgehend auf unsere böse Email reagiert und das Zeug zur Walkabout gebracht, die seit heute unterwegs sind und auch schon unsere neue Einspritzpumpe dabei haben.
Heute sieht es schon wieder besser aus. Der Regen ist weg, die Sonne kommt raus und die Luftfeuchtigkeit sinkt so langsam wieder.
Tausende von winzig kleinen Fischchen haben sich Meerbaer als Schutz ausgesucht und bevölkern das Wasser in einem Umkreis von ca. 1-2 m um uns rum. Das haben mittlerweile mindestens 3 Raubfische, wir denken, es sind Goldmakrelen von etwa einem halben Meter Länge, entdeckt und jagen seit Stunden unermüdlich immer ums Schiff rum. Die Biester sind so schnell, dass man sie kaum sehen kann. Dafür spritzt und platscht es ununterbrochen. Für die ist hier das Schlaraffenland ausgebrochen.

Veröffentlicht unter Tonga | Kommentare deaktiviert für Um uns tobt das Leben

Die erste Rate ist bezahlt ;-)

Nee, Scherz beiseite. Heute kamen die beiden Kanadier, die uns vorgestern Nacht unfreiwillig besucht hatte, vorbei und haben nach unseren Schäden gefragt. Wir sind alles durch gegangen und wurden erst einmal beruhigt. Sie wollen alles auf dem kleinen Dienstweg, will heißen ohne Versicherung, bezahlen. Außerdem wurden wir von ihnen gleich heute zum Abendessen bei Big Mama eingeladen. War ein netter Abend und die beiden haben auch gar nicht geschluckt, als wir ihnen unsere Schadensaufstellung mit Kosten vorgelegt haben. Sie wollen uns das Geld sofort überweisen. Schließlich hätten wir sie davor bewahrt, ihr Schiff zu verlieren. Na, geht doch!

Veröffentlicht unter Allgemein, Tonga | Kommentare deaktiviert für Die erste Rate ist bezahlt ;-)

Eigentlich wollte ich jetzt……

…..einen bitterbösen Beitrag über unsere lieben Segelkollegen hier verbrechen. Ich verzichte aber und dokumentiere einfach die Schäden am „meerbaer“! Alle großen Langfender platt wie Flundern. Der Bugkorb auf beiden Seiten verbogen. Backbord-Navigationslicht zerstört. Die Schotleitschiene – immerhin auf die Süllkante geschweisst- nach oben gebogen. Der „blaue“ Streifen stellenweise vom Rumpf gekratzt. Der weiße Lack stellenweise bis auf den nackten Stahl runter geschabt. Hätten wir keinen Stahleimer, wäre die Geschichte wohl für den Kollegen teurer geworden. Seine Schäden – eine normale Hostalenschüssel – sind wohl etwas gravierender. Sind mir allerdings auch ziemlich Latte. Wir hätten in dieser vergangenen Nacht unseren „meerbaer“ verlieren können. Ein großes Glück, dass der Bügelanker und vor allem unsere Kette mitsamt den überdimensionierten Beschlägen sogar 2 Schiffe gehalten hat. Man sieht daran mal wieder, man kann noch so umsichtig und vorsichtig zu Werke gehen, wenn der Nachbar schlampt und seiner Seemanschaft nicht nachkommt, kann es in der Katastrophe enden. Wir vergessen auch oft, mit was für Diletanten wir es zu tun haben. Besser 200 m weiter weg ankern, oder wie in diesem Fall, lieber einmal umankern, wir waren nämlich zuerst auf diesem Ankerplatz. Aber ich will mich ja nicht aufregen!

Veröffentlicht unter Tonga | Kommentare deaktiviert für Eigentlich wollte ich jetzt……

Warum immer wir?

Freitag Abend. Regen, Wind mit Böen von 40 kn, was macht man da? Film gucken. Der war gerade zu Ende, da schepperte es ganz laut. Mist, dachten wir sofort, der Entlastungstampen für die Ankerkette ist gerissen. Nix wie raus. Unser Tampen war in Ordnung. Nur hatte sich der vor uns liegende Segler auf Drift begeben und seinen Anker hinter sich her gezogen, bis er damit in unserer Kette hängen blieb. Das Schiff knallte bei uns längsseits und zerrte nun auch noch an unserem Ankergeschirr. Die beiden Segler hatten sich wohl schon zur Ruhe begeben, keine Ankerwache geschoben und kamen ganz verstört raus gekrabbelt. Rainer musste ihnen erst mal klar machen, was zu tun ist: Fender raus, bei uns längsseits festmachen und die Kette entlasten, damit der Zug bei uns raus kommt. Zum Glück hielt unser Anker (Bügelanker, Du bist der Beste!). Nun hocken wir hier die ganze Nacht und hoffen, dass der Wind, wie versprochen, bald runter geht, damit wir endlich mal zur Ruhe kommen. Der neue „Nachbar“ hopst neben uns auf und ab und hin und her und zerrt am Meerbaer, der eigentlich total ruhig liegt. 18 Tonnen brauchen schon etwas mehr, um in Wallung zu geraten.
Die nächste Katastrophe ließ nicht lange auf sich warten. Plötzlich fing seine Genua an, sich abzurollen und dengelte immer wieder gegen unsere Wanten. Skippers Worte:“ Wenn sein Mast runter kommt, der landet genau auf uns“. Tolle Aussichten. Die Nachbarn waren total hilflos und brauchten Rainers Anweisungen, um überhaupt irgendwas auf die Reihe zu bekommen. Mit vereinten Kräften gelang es dann, die Genua abzuschlagen, bevor größerer Schaden angerichtet wurde.
Jetzt haben wir gleich 2 Uhr in der Nacht. Mal sehen, ob jetzt endlich Ruhe einkehrt. Es reicht so langsam. Morgen früh geht es dann weiter mit Ankerketten enttüddeln und den Anker vorsichthalber noch einmal neu einfahren.
Es stellte sich übrigens raus, dass der Nachbar tatsächlich bei der Wettervorhersage ganze 40 m Kette bei 10 m Wassertiefe gesteckt hatte (wir haben mit über 70 m doppelt so viel). Kein Wunder, dass das nicht gehalten hat.

Veröffentlicht unter Tonga | 2 Kommentare

Hausarrest

Seit gestern Abend pfeift es aus allen Löchern. Böen bis 40 kn. Und Regen. In der Nacht ist Ankerwache gehen angesagt. Wir liegen zwar hier gut und sicher an 70 m Kette auf sehr gutem Ankergrund und vor uns liegt ein Riff, das die Wellen abhält, aber man weiß ja nie. Sicherheit wird groß geschrieben auf dem Meerbaer. Der Spuk soll ja auch dann morgen schon wieder vorbei sein. Die Front hatte sich schon lange angekündigt und wir konnten uns gut darauf vorbereiten. Nur mit unseren Obst-Vorräten haben wir uns etwas verkalkuliert. Reicht nur noch für morgen früh. Und sonntags ist hier alles dicht. Da werden wir wohl zum Frühstück Sonntag und Montag auf Trockenfrüchte zurückgreifen müssen. Es gibt Schlimmeres. Und Strom haben wir reichlich. Die Batterien sind rappelvoll. der Windgenerator rennt und rennt. Wir haben schon zusätzliche Verbraucher eingeschaltet, damit er bei dem Wind nicht durchdreht. Hatten wir ja schon mal in Uruguay. Allerdings  gab es da Böen bis 120 kmh (über 60 kn). Wollen nicht hoffen, dass es die hier auch geben wird.

Veröffentlicht unter Tonga | Kommentare deaktiviert für Hausarrest

Ein arbeitsreicher Tag geht zu Ende

Ist zwar Sonntag heute, aber was soll’s. Dafür haben wir von Montag bis Samstag frei ;-). Von 9 Uhr heute früh bis um 17 Uhr am Nachmittag waren auf dem Meerbaer mächtige Arbeitsgeräusche zu hören. Es ist schon fast 5 Jahre her, dass wir zuletzt den Tagestank gesäubert hatten, da wurde es höchste Zeit für eine neue Inspektion. Mehr als 20 Schrauben waren zu lösen, und bei mindestens der Hälfte war die Mutter nur mit mindestens 4 Gelenken in den Fingern zu erreichen. Entsprechend lange hat es gedauert, bis der Deckel endlich weg war. Die Innenbeschichtung vom Tagestank war etwas lose, und so hat der Käpt’n mal eben alles losgeschabt und die Placken aufgesammelt. Es durften keine Krümel vergessen werden, weil die sonst die dünnen Dieselleitungen verstopfen können. Dann musste der Deckel wieder drauf. Leichter gesagt als getan. Ab war ja schon kniffelig, aber drauf bekommen war noch mal eine Steigerung. Hat aber alles geklappt und der Tank ist wieder dicht. Zweimal mit Diesel gespült, damit wir auch sicher sind, dass aller Dreck raus ist. Super, alles sauber. Jetzt noch die Dieseltanks mit 2-Tank-Öl im Verhältnis 1:200 versorgen, um eine bessere Verbrennung und Schmierung zu bekommen und dann sind wir fertig. „Jetzt machen wir erst mal wieder eine Stunde lang Wasser.“ Nur der Generator sprang nicht an. Sagte keinen Mucks. Alle Kontroll-Leuchten am Paneel blieben dunkel. Was war denn nun schon wieder? Ab in den Motorraum getaucht und alle Stromleitungen kontrolliert. Alles fest. Alle Sicherungen in Ordnung. Vorsichtshalber haben wir dann doch die Sicherungen getauscht, uns siehe da: eine davon muss kaputt gewesen sein. Konnte man ihr aber nicht ansehen. Nun schnurrt der Generator wieder und wir können Wasser machen, soviel wir wollen.

Veröffentlicht unter Tonga | Kommentare deaktiviert für Ein arbeitsreicher Tag geht zu Ende

Neues aus dem Meerbaer-Maschinenraum….

………. es sind wieder Arbeitsgeräusche vernehmbar! Aha, wie kommt’s? Die Walkabout schneller wie üblich? Doch den Flieger nach Auckland und zurück benützt? Alles falsch! Aber der Reihe nach. Des Skippers Überlegung war, dass es doch hier in der immerhin Hauptstadt von ganz Tonga eine Dieselwerkstatt geben sollte. Die Einspritzpumpe musste sowieso demontiert werden, der Motor für den Einsatz der Neuen vorbereitet werden. Wesley, unser tongaischer Taxidriver für unsere Inselexkursion war auch der Meinung betreffs der Dieselwerkstatt. Also vertrauensvoll ihm die Einspritzpumpe in die Hand gedrückt und ab die Post. I call you later! Zwei Stunden später sein Anruf. I found a guy to repair the pump! Ok, ich war etwas skeptisch und sagte für 300 Pangas der Reparatur zu. Am nächsten Tag war dann die Parlamentseröffnung und keiner hatte Zeit für irgendwas. Gestern treffe ich Wesley, um unsere Wäsche von ihm abzuholen (er macht auch laundry-service). Da sagte er nebenbei, deine Pumpe ist fertig! Lass sie uns abholen. Gesagt, getan, fuhren wir los. Durch ganz Nukualofa, durch das angrenzende Industriegebiet. Immer weiter aufs Land. Ich sagte schon, eine Dieselwerkstatt auf dem Lande? Er bog in einen weiteren Feldweg ein und wir kamen vor einem kleinen, halb zerfallenen Bauernhof zum Stehen. Oha, war mein erster Gedanke! Wir gingen um die Ecke uns standen vor einer Freiluftwerkstatt. Jede Menge alter, demontierter Einspritzpumpen lagen auf dem groben Holztisch. Freudestrahlend kam der Monteur aus seiner Hütte und hatte unsere Pumpe in der Hand. Da er kein Englisch sprach, übersetzte Wesley meine Fragen und seine Antworten. Er hatte die Pumpe demontiert, diverse O-Ringe ersetzt und vor allem gereinigt. Sie war wohl sehr verschmutzt. Ok, ich gab ihm 150 Pangas, die Hälfte der abgemachten 300. Wenn die Pumpe wirklich wieder funktioniert, soll er den Rest bekommen. Freudestrahlend nickte er, steckte das Geld ein und verabschiedete uns. Er ist der einzige Überlebende einer ehemals existierende Dieselwerkstatt. Und plietscherweise hatte er etliche Teile für diverse Pumpen auf seinen Bauernhof gerettet. Schon beim Ausbau hatte ich unter anderem festgestellt, dass die obere Entlüftungsschraube abgerissen war. Ohne diese Schraube leckt die Pumpe aber und ein Betrieb ist nicht möglich. Der Monteur hatte keine und wirdurchsuchten unseren ganzen Fundus. Fehlanzeige! Ich den Taxidriver unseres Vertrauens angerufen. Wesley, wir müssen irgendwo auf der Insel diese Schraube auftreiben oder machen lassen. Er sagte, komm erstmal rüber  zum Hafen. Wir fuhren 100 m weiter zur Fischfabrik und Anlegekai der Fischkutter. Er sagte, geh da mal rein, da gibt es einen Mechaniker. Gesagt, getan, nach dem Mechaniker gefragt. Erfahren, dass er Tim heißt und sich irgendwo rum treibt. Schließlich habe ich ihn gefunden und wir fertigten eine neue Schraube an. Für einen 6- Pack Bier kein schlechter Deal. Alles zusammen eingebaut und mit flatterndem Herzen den Motor gestartet! Und? Er lief!! Hurra!

Veröffentlicht unter Tonga | 2 Kommentare