Navigation durch den Engl. Kanal – eine spannende Angelegenheit

Die Fahrt nach Roscoff war mal wieder mit „ohne Wind“ zu kennzeichnen. So langsam geht uns das Motorgerappel auf den Keks. Aber was soll’s. Wir haben natürlich Springtide, das heißt, die Gezeitenstömungen sind besonders stark. Unser Timing war fast gut, aber nur fast. Die letzten 3 sm hatten wir Strom gegenan und unser ausgeguckter Ankerplatz erwies sich als extrem rollig. Was nun? Als einzige Möglichkeit blieb uns nur die teure Marina. Kurz bevor wir die Marina erreicht hatten, kam von achtern eine Fähre angerauscht und die Einfahrt zur Marina wurde so lange gesperrt, bis die Fähre drinnen war. So lange duften wir vor der Einfahrt kreisen. In der Marina fanden wir dann einen Platz für die Nacht und konnten erstmal ausschlafen. Vor mittags brauchten wir gar nicht erst auszulaufen. Der Strom kenterte erst spät.

In der Marina Roscoff

Gegen Mittag dann Leinen los und mit einer Nachtfahrt auf nach Guernsey. Wir waren flotter als gedacht und kamen schon mit dem ersten Büchsenlicht in St. Peter Port an. Gleich wurden wir von der Hafenbarkasse in Empfang genommen und an einen Steg außerhalb des Marina-Docks geleitet. Es war Niedrigwasser und die Zufahrt zum Dock gesperrt. Außerdem wollten wir sowieso nicht in die Marina. Da kann man lediglich von 2-3 Stunden vor bzw. nach Hochwasser rein und raus und das passt nicht immer so wirklich mit der Törnplanung überein.

Marina geschlossen. Ohne die Barre würde das Hafen becken leer laufen

Die Saison ist wohl vorbei. Die Marina ist so gut wie leer.

Ein spanischer Galeonen-Nachbau liegt direkt neben uns. Das ist ein Publikumsmagnet und jede Menge Leute marschieren jeden Tag bei uns vorbei. Die Galeone fährt tatsächlich noch mit Gästen durch die Gegend. Sie kommt gerade aus Deutschland und will in der kommenden Woche Richtung Spanien auslaufen.

Wir hatten gut Wind, aber das Wetter war nicht so doll.

Nach zwei Nächten dann auf nach Alderney. Die Zeit drängt, denn ab Mitte der kommenden Woche ist für ein paar Tage Ostwind angesagt, zumindest von einem der Wettermodelle. Die Tiden-Planung bis Alderney war ausnahmsweise auf dem Punkt. Wir kamen genau zur richtigen Zeit im berüchtigten „The Swinge“ an, eine Engstelle, die für ihre extrem strarken Strömungen mit Overfalls befürchtet ist. Für die 24 sm haben wir lediglich drei Stunden gebraucht mit zwischendurch mal 9-10 kn auf der Uhr. Der Anker fiel mittags um l2 Uhr in der Bucht von Braye im Norden von Alderney. Landgang negativ. Das Taxiboot fährt nur bis Ende August und das Dinghi fertigmachen wollten wir bei dem Schwell und bei dem derzeit heftigen Wind auch nicht. Also drei Tage Bootsarrest. Auch kein Problem, wir haben ausreichend zu futtern.

Der Inselversorger schlängelt sich durch die Mooring-Lieger

Morgen soll es dann weiter gehen. Wegen der drohenden Ostwindlage haben wir uns entschlossen, direkt bis Den Helder durchzusegeln. 340 sm sollten mal mit der Tide und mal gegenan in drei Tagen zu schaffen sein.

Nun sitz ich hier vor den Gezeitentabellen und mir raucht der Kopf. Alles ist in Bezug auf Hochwasser Dover ausgerichtet und es wird gerechnet und geschoben, bis es halbwegs passt. Glücklicherweise bewegen wir uns auf Halbmond zu, da sind die Gezeitenströmungen nicht so stark.

Es bleibt spannend!

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