Es ist tatsächlich schon eine Woche her seit unserem Blitzschlag und wir haben nicht wirklich viele Meilen nach Norden gut machen können. Der Winkel ist für den dicken Meerbaer so ungünstig wie es nur geht. Hoch am schlappen Wind kneifen geht gar nicht. Da ist die Abdrift fast größer als die Geschwindigkeit. Bei dieser Konstellation sind wir noch ewig unterwegs.
Dann hatte der Käpt’n die zündende Idee: wir rufen MRCC Bremen Rescue an und bitten um Hilfe. Und das klappte wie am Schnürchen. Bremen setzte sich mit MRCC Dakar in Verbindung und die verwiesen uns an den in der Nähe fahrenden Tanker „OM Singapore“. Der Kontakt über VHF kam zustande und der Tanker änderte seinen Kurs auf uns zu. Weil es sich um einen Gefahrguttransporter handelt, sollten wir nicht näher als eine halbe Seemeile nah kommen. Der Tanker drehte bei und wir ebenfalls. Es wurde ein Boot ins Wasser gelassen und dann merkwürdigerweise wieder an Deck hochgezogen??? Was war das denn? Durchs Fernglas konnten wir geschäftiges Treiben am Boot erkennen. Ob der Motor nicht wollte? Es dauerte ca. 1/2 Stunden, dann wurde das Bötchen wieder ins Wasser gehievt. Drei Mann kletterten rein und kamen dann langsam durch die relativ hohe Düngung auf uns zu und dann in Lee längsseits. Der kleinste der drei Männer schulterte sich nacheinander drei (!) Batterien und bekam sie mit Ach und Krach bei uns an Deck. Beim dritten Mal wäre er fast ins Wasser gefallen. Der Kollege konnte ihn gerade noch am Kragen packen und ins Boot zerren. Was für eine Aktion! Mit 1000 Dankeschön wurden sie dann von uns verabschiedet und sie tuckerten wieder zurück zu ihrem Dampfer. Über Funk haben wir uns nochmal herzlich bedankt und nach einem Preis für die Batterien gefragt. „No worries“ war die Antwort. Die Batterien seien ja nicht neu, die gibt es umsonst. Es könnte ja sein, das eine von den dreien nicht gut sei, deshalb hätten sie vorsichtshalber drei geschickt. Nachdem wir die Frage mit nein beantwortet hatten, ob wir sonst noch etwas brauchen, setzte der Tanker seinen Weg nach Buenos Aires fort.

OM Singapore

Rainer hat umgehend die Batterie mit der besten Ladung eingebaut und angeschlossen. Startversuch: LÄUFT!!!!! Wir sind total happy. Wir hatten uns schon Sorgen gemacht, wie wir das letzte Stück nach Mindelo schaffen sollten. Zwischen San Antaó und Sao Vicente wird der Wind zusätzlich kanalisiert und verstärkt. Das wäre ein schwieriges Unterfangen geworden, da aufzukreuzen. Jetzt können wir die Strecke mit Motorunterstützung bewältigen – wenn wir irgendwann mal da ankommen. Auf jeden Fall ist die Stimmung an Bord um etliche Grade gestiegen!
Wünsche euch einen guten Törn. Always fair winds.