Archiv für die Kategorie ‘Portugal’

Algarve

Sonntag, 18. Oktober 2009

Am 06.10.2009 gegen 20 Uhr sind wir wieder „zu Hause“ auf unserem Meerbaer. Wir gönnen uns unter einem wunderschönen Sternenhimmel ein lauwarmes Bier bei 24 Grad im Cockpit und fallen anschließend hundemüde in die Koje. Am nächsten Morgen geht es weiter nach Portimao. Wir wollen für 2-3 Tage in die Marina, damit wir unseren Proviant wieder auffüllen können. Das ist mit dem Fahrrad einfacher, als mit dem Dingi und zu Fuß. Außerdem ist Wind aus SW angesagt und da ist es am Ankerplatz vor der Marina recht ungemütlich. Nach 3 Tagen Marina haben wir genug und fahren „um die Ecke“ nach Alvor, wo wir mal wieder ein paar Tage hängen bleiben. Es ist einfach zu schön hier. Erst am 17.10. finden wir den Absprung. Es geht erst einmal wieder nach Portimao, diesmal allerdings vor Anker. Am 19.10. fahren wir weiter nach Albufeira.

Strand neben Albufeira

Strand neben Albufeira

traumhafte Buchten

traumhafte Buchten

und traumhafte Schluchten

und traumhafte Schluchten

Es ist SW angesagt und diese Vorhersage vertreibt uns vom Ankerplatz. In Albufeira leihen wir uns für 3 Tage ein Auto und erkunden das Hinterland.

Anne gut behütet...

Anne gut behütet...

Orangenbäume neben der Festung von Silves

Orangenbäume neben der Festung von Silves

Festungsmauer von Silves-Castle

Festungsmauer von Silves-Castle

Außerdem können wir unseren geflickten Blister in Villamoura abholen, ohne die teuren Liegegebühren zahlen zu müssen.

Am 24.10.2009 gegen Mittag geht es endlich weiter Richtung Kanaren. Unser nächstes Ziel soll die Insel Graciosa nordwestlich von Lanzarote sein. Natürlich haben die Wetterfrösche mal wieder gelogen und der versprochene Wind bleibt ganz weg. Also müssen wir schon wieder lange Strecken unter Maschinengerappel hinter uns bringen. Erst am Abend des 25.10. können wir dem Motor endlich eine Pause gönnen. In der zweiten Nacht finden wir auch schon unseren Rhythmus und können die Überfahrt ausgiebig genießen. Die Nachtwachen sind geprägt von einem Sternenhimmel, von dem man gar nicht wegschauen möchte. Sternschnuppen fallen vom Himmel, man kann sie kaum zählen. In der Nacht vom 27.10. schläft der Wind mal wieder ein. Als die Logge nur noch 1,8 Knoten zeigt und der Autopilot wegen zu wenig Fahrt anfängt zu spinnen, müssen wir leider wieder Herrn Perkins an die Arbeit rufen. Bis zum 29.10. geht es immer so weiter: Motor an, Motor aus, Segel rauf, Segel runter bzw. dicht genommen oder ausgebaumt. Es ist zum Mäuse melken. Aber natürlich alles besser als zuviel Wind aus der falschen Richtung. Wir wollen uns nicht beschweren.

Am 30.10. nachts um 01.30 Uhr fällt dann unser Anker vor Graciosa in 6 m Tiefe auf Grund. Wir lenzen eine Flasche Sekt und fallen dann leicht angesäuselt in die Koje

Lissabon bis Algarve

Sonntag, 20. September 2009

Am nächsten Tag  geht es mit der Metro nach Lissabon. Die Stadt ist faszinierend. Wir wollen die Altstadt zu Fuß erobern und diesmal nicht mit dem Touristenbus fahren.

Die Bimmelbahn

Die Bimmelbahn

Stattdessen nehmen wir die alte Bimmelbahn von 1892, die uns in 3 Minuten dicht an Haustüren und Fenstern vorbei nach oben bringt.

beeindruckender Fahrstuhl in der Altstadt

beeindruckender Fahrstuhl in der Altstadt

Von da aus arbeiten wir uns zu Fuß wieder nach unten, bis wir in den restaurierten Teil von Lissabon kommen. Am nächsten Tag müssen wir erst einmal unsere platten Füße schonen und gehen gar nicht erst von Bord.

Vor malerischer Kulisse Ankerplatz Cascais

Vor malerischer Kulisse Ankerplatz Cascais

Bunte Oldtimer in Cascais

Bunte Oldtimer in Cascais

Aber am Sonntag wollen wir noch einmal nach Lissabon rein. Wir möchten uns das Ozeanarium ansehen mit dem größten Meerwasserbecken Europas. Die Fahrt hat sich gelohnt. Das Aquarium war beeindruckend. Das können wir nur jedem empfehlen. Leider darf man nicht fotografieren. Schade.

Weiter geht es über Sesimbra nach Sines. Sines ist ein kleines, verschlafenes Nest am Hang, das heißt, jedes Mal, wenn wir einkaufen wollen, ca. 100 Stufen aufwärts. Das hält angeblich fit.

Am 11.09.2009 wollen wir endlich zur Algarve aufbrechen. Natürlich ist mal wieder kein Wind und wir müssen motoren. Zur Entschädigung toben jede Menge Delfine um unser Schiff. Wir freuen uns und vergessen natürlich wieder, die Show zu filmen.

Capo San Vincente kurz vor der Algarve

Capo San Vincente kurz vor der Algarve

Kurz vor Cabo Sao Vicente nimmt der Wind zu und wir können endlich mal wieder segeln. Die letzten 2 Stunden vergehen wie im Flug. In der Ensenada de Baleeira wollen wir für die Nacht vor Anker gehen, aber als der Anker nach dem dritten Versuch immer noch nicht hält, fahren wir ein Stück weiter und in einem Pool zwischen zwei Flachs geht unser Anker in 7 m Wassertiefe auf Grund. Wir liegen herrlich ruhig und vor allen Dingen alleine. Der Pool ist nur groß genug für ein Schiff. Herrlich. Es ist so schön, dass wir noch einen Tag länger bleiben und die Seele baumeln lassen.

Am Sonntag, dem 13.09.2009 gehen wir Anker auf und fahren bis zum Rio de Alvor. Hier ist das Wasser endlich 24 Grad warm und wir springen vom Ankerplatz aus hinein.

Ankerplatz vor Alvor

Ankerplatz vor Alvor

Die Zufahrt zum Ort Alvor ist ziemlich versandet und wir beobachten erst einmal die anderen Schiffe, wie sie Kurs nehmen. Am nächsten Tag 2 Std. vor Hochwasser wagen auch wir uns rein. Es klappt besser als gedacht, obwohl die Fahrrinne nicht betonnt ist. Das Echolot zeigt allerdings zwischendurch auch mal nur 20 cm unter dem Kiel. Ist doch ganz schön knapp. Aber es lohnt sich. Der Ankerplatz vor Alvor ist wunderbar ruhig und geschützt und mit dem Dingi ist man ruckzuck im Ort.

Sonnenuntergang im Alvor

Sonnenuntergang im Alvor

Auf meinem Geburtstag gehen wir abends in einem typisch portugiesischen Lokal essen und speisen für wenig Geld wie die Fürsten. Der Tipp von einer deutschen Fußpflegerin, die sich hier in Alvor niedergelassen hat, war goldrichtig.

So langsam müssen wir uns um einen Liegeplatz für Meerbaer kümmern für die Zeit, in der wir in Deutschland sind. Wir haben uns Albufeira ausgesucht. Hier ist es relativ preiswert gegenüber den anderen Häfen. Die Marina liegt ganz geschützt zwischen Hügeln und ist gut bewacht. Wir buchen sofort für die 2 Wochen, die wir nach Deutschland wollen und segeln am nächsten Tag weiter bis zur Lagune von Olhao. Vor der Ilha da Coulatra gehen wir vor Anker und genießen ein paar Tage die Ruhe.

Am 23.09. müssen wir uns so langsam wieder auf den Rückweg nach Albufeira machen. Vorher noch eine Nacht nach Villamoura. Hier gibt es einen Segelmacher für unseren Blister und außerdem eine Waschmaschine für unsere Bettwäsche und die Handtücher. Aber was für ein Schock: die Marina kostet pro Nacht über 50 €. Dafür wimmelt es hier von lauten Engländern und englischen Motoryachten in allen erdenklichen Größen. Das ist nun wirklich nichts für uns. Am nächsten Morgen fliehen wir schon früh und fahren nach Albufeira, um den Meerbaer für die 2 Wochen Liegezeit vorzubereiten und unsere Koffer für den Flug nach Deutschland zu packen.

Atlantikküste Portugal bis Lissabon

Dienstag, 01. September 2009

Am 18.08.2009 um 10.00 Uhr lichten wir den Anker und es geht weiter Richtung Portugal. Wir sind kaum aus der Bucht raus, herrscht pottendicker Nebel. Man kann kaum die Hand vor Augen sehen. Sicherheitshalber fahren wir unser Radar hoch und sehen uns zusätzlich noch die Augen aus dem Kopf. Das ist ganz schön anstrengend. Da wir nahe der Küste fahren, müssen wir immer mit Fischerfähnchen rechnen, die uns im Weg liegen und die möchten wir, da wir unter Maschine fahren müssen, nicht unbedingt in die Schraube bekommen. Merkwürdigerweise ist genau an der Grenze zwischen Spanien und Portugal der Nebel wie weggeblasen. Als wenn er seinen Pass vergessen hätte und so die Grenze nicht überschreiten kann. Als wir in Viana do Castello um den Wellenbrecher biegen, bläst es uns mal wieder mit 25 kn entgegen. Kein Wunder, dass Marc uns diesen Ort als beliebten Surfspot beschrieben hat.

Meerbaer in Viana do Castello

Meerbaer in Viana do Castello

Vor der Einfahrt zur Marina liegt eine geschlossene Brücke. Ein Marinero winkt uns an den davor liegenden Wartesteg. Wir brauchen tatsächlich 2 Anläufe, um an den Steg zu kommen. Hier herrscht eine Strömung, mit der wir wirklich nicht gerechnet hatten.

Aber dann sind unsere Leinen fest und wir dürfen hier liegen bleiben, weil unser Tiefgang mit 2 m zu viel für die Marina ist.

Hier in Portugal merken wir, dass es doch große Unterschiede innerhalb der EU gibt. Bisher hat niemand nach Ausweisen oder Bootspapieren gefragt. Aber hier müssen wir alles vorlegen, sogar die Versicherungsbestätigung für das Boot. Diese Prozedur wird uns wider Erwarten in ganz Portugal erhalten bleiben. Hafenkapitanerie, Zoll, Immigration und was weiß ich nicht noch alles, alle wollen die gleichen Papiere sehen und füllen die gleichen Formulare aus. Das Computerzeitalter und die Möglichkeit der Übermittlung von Daten ist hier wohl noch nicht so richtig angekommen (oder die vor der EU vorhandenen Jobs müssen irgendwie weiter besetzt werden, damit die Leute weiter ihre Arbeit haben).

An diesem Wochenende ist hier ein Riesenspektakel angesagt. Es ist ein Fest für die Schutzheilige des Ortes und die Straßen werden mit eingefärbtem Salz und Blumen geschmückt, dass es eine Augenweide ist.

Mit farbigem Salz gelegte Strassenbilder

Mit farbigem Salz gelegte Strassenbilder

Jede Straße hat ein anderes Motiv und die Arbeiten daran dauern die ganze Nacht über. Schade, dass dies alles während der Prozession wieder zertrampelt wird. Aber vorher gibt es noch ein großes Bootskorso mit wunderschön geschmückten Fischerbooten und natürlich mit riesigem Getute und Getöse. Dafür sitzen wir an unserem Steg wirklich in der ersten Reihe.

Die Marienstatue wird mit dem Kutter gebracht

Die Marienstatue wird mit dem Kutter gebracht

Am 21.08. können wir uns endlich von Viana do Castello loslösen und weiter geht es bei raumem Wind mit 6 Knoten Fahrt Richtung Süden. Wir wollen uns Porto ansehen und dafür im Vorhafen von Leixoes vor Anker gehen. Die Besichtigung von Porto geht dann per Metro und Bus.

Von Herrn Eiffel erbaut

Von Herrn Eiffel erbaut

Am Samstag geht es um 10.00 Uhr los Richtung Porto. An der Metrostation kommen wir uns vor wie Analphabeten. Zum Glück finden wir jemanden, der uns die richtigen Knöpfe am Fahrkartenautomaten zeigt und uns erklärt, wo wir aussteigen müssen. Porto ist wirklich sehenswert.

Effels Brücke

Effels Brücke

Die Altstadt ist wunderschön, nur leider verfallen hier viele von den alten Häusern und sind kaum noch bewohnt.

Viel Bruch in Porto's Altstadt

Viel Bruch in Porto's Altstadt

Alles will wohl nur noch außerhalb in den Trabantenstädten wohnen, wo es Parkplätze fürs Auto gibt.

Aber auch viel Pomp

Aber auch viel Pomp

Wir machen eine Rundfahrt mit einem Touristen-Doppeldeckerbus, die sich wirklich lohnt.

Porto von der anderen Seite des Rio Douro

Porto von der anderen Seite des Rio Douro

Nach dem Abendessen bekommen wir dann noch eine schöne Bescherung. Unser Abwassertank ist voll und die Pumpe streikt. Der ganze Schmodder kommt aus dem Duschabfluss hoch und es stinkt zum Himmel. 5 Stunden lang pult Rainer in den Rohren vom Abwassertank zur Pumpe, bis er eine alte Flaschenbürste zutage fördert. Wie die in den Tank kommt, kann sich niemand vorstellen. Auf jeden Fall pumpt die Pumpe wieder und nachdem wir alles wieder sauber haben, brauchen wir erst mal einen Schnaps oder zwei. Die Arbeit war ganz schön ekelig, aber es hat sich gelohnt. Wäre die Bürste irgendwann mal in der Pumpe gelandet, wäre die hin gewesen und so eine Pumpe kostet mal eben 1000 Euro.

Am Sonntag und Montag ist an Weiterfahrt nicht zu denken. Es ist so nebelig, dass man die Kaimauer kaum erkennen kann. Aber am Dienstag ist der Spuk vorbei und es geht weiter Richtung Süden, der Wärme entgegen. Unser nächstes Ziel ist die Lagune vor Aveiro. Hier wollen wir ein paar Tage bleiben und uns die Stadt ansehen. Die Lagune ist wunderschön und der Ankerplatz lässt nichts zu wünschen übrig. Hier kann man es aushalten. Mit Fähre und Bus fahren wir in die Stadt und bummeln durch die Gassen. Man kann erkennen, dass Aveiro früher einmal durch Salzgewinnung eine reiche Stadt gewesen ist. Die Häuser und Gassen sind auch heute noch gepflegt und schön anzusehen.

Am Freitag, dem 28.08.2009 geht die Reise weiter. Bei einer ziemlich blöden Dünung und wenig Wind schaukeln wir bis Figuera da Foz. Kaum sind wir um die Ecke, trifft uns wieder der typische Kap-Effekt. Es bläst mit 30 Knoten und wir werden immer schneller. Kurz vor der Hafeneinfahrt nehmen wir die Segel runter und motoren in den Hafen. Der nächste Schock steht uns bevor, als wir uns beim Hafenmeister anmelden: 36,30 € für eine Nacht! Klar, wo keine Ankerplätze sind, kann man abkassieren. Wir zahlen zähneknirschend und freuen uns auf die Algarve, wo wir dann hoffentlich wieder ankern können.

Das nächste Ziel heißt Nazare. Wir würden zwar gerne weiter fahren, aber der Wind ist mal wieder total eingeschlafen und 7 Stunden Motorgerappel reicht. Wir wollen wieder Ruhe im Schiff haben. Wir haben noch nicht die Leinen fest, da will der erste Uniformierte schon unsere Pässe sehen. Geht das schon wieder los! Egal, irgendwann gewöhnen wir uns auch da dran.

Am nächsten Tag wollen wir zur Ilha Berlenga.

Die Ilha Berlenga

Die Ilha Berlenga

Leider finden wir hier keinen ruhigen Ankerplatz. Alle Plätze sind so schwellig, dass man keine Ruhe bekäme. Und die wenigen vorhandenen Ankerplätze sind von kleinen Motorbooten blockiert. Also weiter an die Küste nach Peniche. Hier können wir endlich wieder mal ankern. Am nächsten Tag entern wir mit dem Beiboot den Hafen und gehen in den Ort, um unsere Frischevorräte wieder aufzufüllen.

Der Wassergraben vom Gefängnis

Der Wassergraben vom Gefängnis

Leider hat das sehenswerte Gefängnis-Museum geschlossen. Schade, wir hätten es uns gerne angesehen.

Tags darauf geht unser Anker früh hoch und wir trödeln Richtung Lissabon. Der Wind ist kaum zu spüren, aber da wir Zeit haben,  lassen wir den Motor aus und segeln mit 2-3 Knoten Richtung Süden. Irgendwann nehmen wir den Blister dazu und es geht komfortabel weiter. Kaum haben wir Cabo da Roca passiert und haben den Surfspot Guincho querab, da bläst es plötzlich wieder und wir sind mal wieder im gefährlichen Geschwindigkeitsrausch. Und natürlich macht es wieder einen lauten Knall und unser schöner Blister ist zum zweiten Mal kaputt. Irgendwann lernen wir es noch mal! Zerknirscht laufen wir den Rest bis Cascais unter Maschine und ankern vor der Marina.