Argentinien auf und ab

Wir dachten schon, Colonia wollte uns nicht loslassen. Erst gegen Mittag hatten wir so viel Wasser unter dem Kiel, dass wir uns gefahrlos von der Boje losbinden konnten. Laut Echolot waren gerade mal 20 cm Wasser da. Reicht doch. Teilweise war sogar so viel Wind, dass wir nur unter Segeln vorwärts kamen, leider nicht sehr lange, dann musste Mr. Perkins wieder ran.
Übrigens: Argentinien ist das erste südamerikanische Land, das wir mit intakter Maschine angelaufen sind! Geht doch!
Im Einfahrtkanal wurden wir mehrfach von anderen Seglern angesprochen, wir sollten mehr auf der Backbordseite fahren, da wäre es tiefer. Komisch, unser Echolot zeigte immer noch 7 m unter den Kiel. Naja, man hört dann doch auf die Locals und fährt weiter rüber. Noch eine Meile den Rio Santiago rauf, bis kurz vor den Club Regattas, da wollten wir eine Runde drehen, um auszuloten, wie tief es da ist. Das Echolot zeigte erst noch 6 m an, das nahm aber dann rapide ab und bevor wir die Kurve kriegten, sassen wir schon im Mud. Wir konnten uns so gerade noch mit der Maschine rauswühlen und sind dann etwas weiter vor Anker gegangen.
Dann erst einmal das Dinghi wassern und in den Stichkanal rein zu Ingrid und Fritz von der Pico, die schon seit 3 Wochen da liegen und am Boot arbeiten. Für uns leider zu flach, wir kämen da nur bei extremem Hochwasser rein und raus.
Kurz vor der Dämmerung ging es dann wieder „nach Hause“ auf den Meerbaer. Hier kam dann zum ersten Mal unser Moskitonetz zum Einsatz. Wenn wir das nicht gehabt hätten, wären wir wohl aufgefressen worden. So konnten wir den Moskitos, die aussen am Netz hingen, eine lange Nase drehen. Ätsch!
Kurz nach Mitternacht fing es dann ganz plötzlich an zu blasen, als gäbe es Geld dafür. 30 kn waren nichts. Also raus aus der Koje, noch ein paar Meter Kette mehr stecken und bis 3 Uhr Ankerwache gehen. Dann war der Spuk genauso plötzlich wieder vorbei, wie er gekommen war.
Heute früh dann: Regen und Gewitter. Klar, wir wollten ja die Behördengänge machen, da kommt Regen dann besonders gut. Gegen 11 Uhr war es dann trocken und wir saßen schon im Dinghi zur Abfahrt bereit, da fällt Rainer auf, dass der Meerbaer so komisch im Wasser liegt. Sch….! Wir sitzen auf. Wasser weg. Keine Chance mehr, uns mit dem Motor frei zu buddeln. Und das Echolot zeigt immer noch 3 m unter dem Kiel! Was ist denn da schon wieder los? Beim Ausloten mit dem Dinghi stellte ich dann fest, dass auf ca. 20 m mindestens ein halber Meter Wasser fehlt. Und es läuft noch bestimmt 3 Stunden weiter ab. Zwar nicht viel, aber trotzdem nicht schön. Machen konnten wir eh nix, also sind wir mit dem Dinghi zum Yachtclub Regatta gefahren, um uns ein Taxi rufen zu lassen, damit wir wenigstens die Behördengänge hinter uns kriegen. Wir wurden sofort von Guillermo in Empfang genommen, der mit seiner Familie hier gerade seine freie Zeit verbringt. Statt uns ein Taxi zu rufen, ist er selbst mit uns losgefahren, hat für uns gedolmetscht und wir waren innerhalb von einer halben Stunde mit allem fertig. Rekordzeit! Zurück im Club wollte er uns doch tatsächlich noch zum Essen einladen. Glücklicherweise war da alles zu – montags ist Ruhetag und der Snackkiosk wollte gerade schließen, als wir ankamen. Das war und so schon peinlich, weil wir gar nicht wussten, wie wir uns revanchieren sollten. Da werden wir dann wohl morgen ein paar Drinks spendieren.
Jetzt sitzen wir hier auf dem Meerbaer in leichter Schieflage und warten, dass das Wasser wiederkommt.

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